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Die Chronik der Kreation: FKA Twigs ist unser neuer Digital Cover Star

Nach einer Dekade als eine der prägenden Künstler*innen ihrer Zeit läutet FKA twigs ihr nächstes Kapitel ein. Spoiler Alert: Die Zukunft gestaltet sie spielerisch. Bei ihrem Besuch in Berlin besprechen wir, warum ausgerechnet twigs ein kleines Teil im großen Puzzle sein möchte und warum Kinder-Bastelei und gehäutete Zwiebeln ihren Arbeitsprozess beschreiben.

Wir sind schon fast am Ende unseres Gesprächs angekommen, da unterbricht sich FKA twigs selbst. Die multitalentierte Musikerin, Sängerin, Künstlerin und Tänzerin sitzt in einem holzvertäfelten Meetingraum im Berliner Soho House. Zwei Stühle hat sie zusammengeschoben und zu einer Mini-Couch umfunktioniert, auf deren Kissen sie ihre Beine in hellbraunen Cowboyboots bettet. Ihre Haare trägt sie über die Schultern gelegt, die Hände hält sie in diesem Moment gestikulierend in der Luft. FKA twigs spricht gerade über ihre Beziehung zu Social Media, insbesondere TikTok. Vor wenigen Wochen war die Künstlerin Teil einer Diskussion um das Video-Netzwerk: Künstler*innen äußerten sich in viralen Videos dazu, dass große Musiklabels sie dazu zwängen, viralen Content für TikTok zu schaffen. Charli XCX oder Florence and The Machine stimmten mit ein, das Video ihrer Kolleg*in Halsey wurde zum Aushängeschild der Debatte. Und auch FKA twigs hatte ein „entnervt” wirkendes TikTok zum Thema gepostet und damit vielleicht „das Fass zum Überlaufen gebracht”, wie sie heute selbst sagt. Eigentlich aber sei das Video nur ein Witz gewesen, ihr Label ziemlich nett, das hatte Twigs noch in der Kommentarspalte klargestellt. Und auch fünf Minuten vor unserem Gespräch zückt Twigs Assistent sein Handy und präsentiert amüsiert die neuesten TikToks, die twigs in wenigen Tagen posten würde. In einem dieser Videos liegt sie im Bett und singt Playback zu den Lyrics ihres neuen Songs „Killer”, der vor Kurzem erschienen ist. Eine Woche nach unserem Gespräch wurde das Video 175.000 mal angesehen, hat 30.000 Likes. Andere twigs-Toks haben längst Millionen Klicks.


Foto: Aidan Zamiri

In diesem Moment jedenfalls erklärt FKA twigs ihren bisherigen Social-Media-Konsum: Sie erzählt, wie sie als Kind im englischen Cheltenham noch die Eltern ihrer Freund*innen anrief, um nach Verabredungen zu fragen, als Tween zum MSN Messenger wechselte und sich als Teenager in der Gestaltung ihrer MySpace-Seite verlor (falls ihr euch fragt: Ihr Hintergrund bestand aus pink-roten Polka-Dots auf der linken und blauen auf der rechten Seite). Sie erklärt, wie sie Facebook mit Anfang 20 zuerst blöd fand, später auch Instagram, und Twitter sowieso, nur um am Ende doch auf allen Netzwerken präsent zu sein. „Natürlich war die erste Reaktion, als TikTok aufkam: Oh Gott! Jetzt noch 7-Sekunden-Videos machen”, sagt twigs. Es ist das Ende einer ihrer chronologischen Erzählungen, in die die Künstlerin während unseres Gesprächs mehrfach abschweift. Den Bogen zum Ende aber findet sie immer  – das ist twigs besonders wichtig, wie ich später erfahre.

Visionen, Poledancing und Album-Welten: Mehr als eine Dekade FKA twigs im Spotlight

Es mag absurd erscheinen, mit einer Künstlerin wie FKA twigs über ungelenke Themen wie die Social-Media-Planung zu sprechen. Was könnte man nicht alles diskutieren mit ihr, die vor rund 10 Jahren begann, das Gesamtbild von Musik, Ästhetik, Tanz und Kunst im Rundumschlag zu verändern. Sie, deren erste EPs nach wie vor als Indie-Favoriten gelten, deren Musikvideo zu „Cellophane” zur ästhetischen Wahrnehmung von Poledancing beitrug. Sie, die es entgegen Streaming-Trends und kurzer Aufmerksamkeitsspannen perfektioniert hat, mit ihren Alben audiovisuelle Welten zu eröffnen, die auch noch Jahre später spannend sind. FKA twigs ist eines der künstlerischen Gesichter des London der 2010er-Jahre, wird von Modemagazinen wie Luxus-Marken hofiert und nimmt heute neben unserem Gespräch nur ein weiteres Interview wahr, für eine große deutsche Wochenzeitung. Mit visionären Lieblingen der Kunstszene wie Matthew Stone und Jesse Kanda feilt sie an ihren Projekten. Und auch twigs gilt als eine der Avantgarde-Visionär*innen ihrer Zeit – ein Image, dessen sie sich selbst erst vor Kurzem bewusst wurde, wie sie Julia Fox und Niki Takesh im Podcast „Forbidden Fruit“ erzählte. In diesem Talk enthüllte twigs noch einen überraschenden Fact über ihre Karriere: Sie arbeitet nebenbei als Werbefilm-Regisseurin, hat zum Beispiel einen Facebook-Werbespot für die Olympischen Spiele umgesetzt.

Das Mixtape „Caprisongs” ist ein „Schnappschuss” von London

Dass wir in unserem Gespräch ausführlich über ähnlich willkürliche Themen sprechen, liegt vermutlich an twigs’ erwähntem Hang zu ausführlichen Erklärungen. Als sie zum Interview erscheint, konzentriert sie sich zuerst auf die Label-Manager*innen im Raum, scannt die Umgebung, nimmt einen Blumenstrauß mit müdem Blick entgegen. Den vorherigen Abend hat sie im Berliner Restaurant „Cookies Cream” verbracht – und natürlich damit, TikToks zu drehen. Als ich aber die Aufnahme starte, lächelt sie, lehnt sich zurück auf ihrer improvisierten Couch – und ist ganz da. Wir sprechen nicht nur über die neue Single „Killer” – vermutlich eine der eindeutigsten Pop-Nummern in twigs’ jüngerem Song-Register – sondern auch über ihr Mixtape „Caprisongs”, das Anfang diesen Jahres erschienen ist. Für die Musikerin war dieses Projekt eine deutliche künstlerische Wende. Auf ihr von Mythologie, Bibel-Metaphern und mittelalterlicher Ästhetik geprägtes Album „Mary Magdalene” folgte mit dem Mixtape ein lebensnaher, angeblitzter „Schnappschuss in ihr London”, wie twigs es beschreibt. Zwischen musikalischen Features mit internationalen Vordenker*innen à la Shygirl, Arca oder Pa Salieu, aber auch Superstars wie The Weeknd oder Rema, mischte sie sich damit unter die spontanen Releases der Gegenwart. Begleitet wurde das Mixtape von den Kurzvideos „Capri-Vids“, die twigs größtenteils mit einem weiteren Londoner Jung-Avantgardisten produzierte: Fotograf und Regisseur Aidan Zamiri, der auch dieses digitales Cover fotografiert hat. Zusammen hätten sie versucht, die Brücke zwischen Realität und Fiktion zu schlagen, sagte Zamiri gegenüber i-D, und twigs Leben zu mythologisieren – trotz Real-Life-Ästhetik. Dennoch: Das Mixtape habe sie vom „Mysterium” mehr zum Kumpel gemacht, schlussfolgert die britische Zeitung Guardian in einer Kritik – „from mystery to mate”. 

Der kreative Prozess von FKA twigs – erklärt in Finger-Malerei

Twigs selbst beschreibt den Shift der letzten zwei Jahre als Rückkehr zu einem spielerischen, fast kindlichem Stadium in ihrem kreativen Schaffen, sie nennt es „Pure Play”. Sie habe erkannt, dass nichts eine Rolle spielt und dabei scheinbar festgestellt, dass doch alles ein großes Spiel ist. Als ich frage, ob dieser Wandel auch ihre Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen verändert habe, folgt erneut jene ausführliche aber chronologische Erklärung – diesmal in metaphorischer Form. Es geht um Finger-Malerei. Prepare yourselves.

„[Die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite] sind Teil der endlosen Möglichkeiten, des Chaos, der leuchtenden Farben, den Spritzer an den Wänden. Am Anfang aber muss mir die Idee einfallen und ich bin auch diejenige, die zum Schluss in der Ecke aufräumt. Aber in der Mitte gibt es eben diesen wundervollen Teil, an dem alle zusammenkommen und einfach überall Farbe hinmalen.”

„Als Kind haben meine Mum und ich die gemeinsame Zeit zum Spielen immer sehr genossen. Wir haben gezeichnet, Collagen gebastelt, mit Lego gespielt, Filme geguckt, mit den Fingern gemalt. Das erinnert mich daran, wie ich schon immer gesagt habe: Alles hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Nehmen wir zum Beispiel das Malen mit Fingern: Am Anfang bist du begeistert. Du holst die großen Blätter Papier raus und verteilst überall Farbtöpfe. Du brauchst Glitzer, verschiedene Stoffteile, du brauchst Pinsel, Tische, Unterlagen. Deine Möglichkeiten sind endlos. Der Anfang ist wie ein riesiger Trichter, alles kann passieren, überall liegt Zeug rum. Und dann legst du los, verursachst großes Chaos, all das Zeug verteilt sich auf dem Boden. Du hast Farbe im Gesicht, an deinen Händen, alles ist wunderbar. Ein großartiges Chaos und du bist mittendrin am Malen. Und dann schaffst du dein Meisterwerk. Du bist drei Jahre alt, du hast mit Fingern gemalt, und ein Meisterwerk geschaffen”.

Twigs lacht und strahlt dabei etwas in Richtung einer übernatürlichen Aura aus, die sie im Gespräch umgibt, und bleibt dennoch bei belustigtem Giggeln. Die Beschreibung aus spielerischem Charme und gefeierter Gegenwarts-Kunst verkörpert sie perfekt. Aber zurück zur Malerei: „Am Ende wird es dann Zeit, aufzuräumen. Du musst aufräumen! Du musst dir die Hände waschen, du musst den Boden wischen. Musst die Farbtöpfe wegräumen und sauber machen, damit beim nächsten Mal alles wieder schön ist. Du musst die Pinsel säubern, damit nicht all das Zeug dran kleben bleibt. Und dann hängst du dein Meisterwerk auf. Darin liegt der Ursprung der Welten, wie ich sie erschaffe. Auf diesem Weg liegen die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, irgendwo in der Mitte. Sie sind Teil der endlosen Möglichkeiten, des Chaos, der leuchtenden Farben, die Spritzer an den Wänden. Am Anfang aber muss mir die Idee einfallen und ich bin auch diejenige, die zum Schluss in der Ecke aufräumt. Aber in der Mitte gibt es eben diesen wundervollen Teil, an dem alle zusammenkommen und einfach überall Farbe hinmalen.” 

„[Bei Caprisongs] habe ich mich gefühlt wie eine Mode-Studentin, die ihre erste Show auf die Beine stellt: Nach außen hin sieht alles gut aus, aber wenn du unter den Saum schaust, franst es aus. So sollte es sein, aber für mich ist das eine große Herausforderung.” 

Foto: Orograph

Statt „Kontrolle”: Leben und Lieben mit Disziplin

Bisher verlief das Spiel bei dieser Künstlerin dennoch selten ohne klaren Plan. Für die vielen Kollaborationen, den kreativen Prozess hinter „Caprisongs” hat twigs Kontrolle abgegeben wie noch nie zuvor: „Ich habe mich gefühlt wie eine Mode-Studentin, die ihre erste Show auf die Beine stellt: Nach außen hin sieht alles gut aus, aber wenn du unter den Saum schaust, franst es aus. So sollte es sein, aber für mich ist das eine ziemliche Herausforderung: Etwas ausfransen zu lassen, nicht darüber zu brüten und intensivste Arbeit reinzustecken.” 

„Ich liebe es, mir selbst ein Ziel zu setzen und dann darauf zuzugehen, wie eine Art Rückwärts-Technik. Wenn ich zum Beispiel Schwertkämpfen will, aber noch nie ein Schwert in der Hand hatte. Vielleicht habe ich dann aber ein Jahr, um es zu lernen, also los geht’s!”

Ich will mit twigs, die nie den Überblick über ihr Werk zu verlieren scheint, über Kontrolle sprechen. Nicht zuletzt auch, weil die in ihrem Privatleben immer wieder auf die Probe gestellt wird. 2017 müssen ihr nach monatelangen Unterleibsschmerzen sechs Bindegewebs-Tumore (Fibrome) aus der Gebärmutter entfernt werden; ihr Körper, ihre Performance sind damit eingeschränkt. Viel prominenter aber ist die Rolle der Kontrolle in twigs Liebesleben: twigs’ Beziehung und Klage gegen ihren Ex-Freund, Schauspiel-Star Shia LaBoeuf, ist im Netz bestens dokumentiert. Im April 2023 wird sie gegen ihn unter anderem wegen Körperverletzung, sexueller Nötigung und emotionalem Missbrauch aussagen. Welches Verhältnis hat sie in diesen Tagen zu Kontrolle? „Ich verwende lieber den Begriff „Disziplin”, erklärt twigs. „,Kontrolle hat eine sehr negative Konnotation. Ich bin aber sehr diszipliniert.” In ihrem Privatleben hätte sie bisher Schwierigkeiten gehabt, Disziplin anzuwenden, gibt twigs zu, versuche aber nun, in Sachen Beziehungen und Grenzen daran zu arbeiten. Sie will herausfinden, wer und was ihr gut tut. Und auch in ihrer Arbeit soll Disziplin weiterhin an hoher Stelle stehen: „Wenn ich sage, dass ich etwas tue, dann ziehe ich das auch durch. Ich komme vielleicht 20 Minuten zu spät, aber ich zieh’s durch”. Meistens jedenfalls: Ein Shooting für eine andere deutsche Zeitung hatte twigs’ Team schon einmal 10 Minuten vor Beginn abgesagt, heißt es im Vorgespräch. Sie sei auch eine ziemlich sture Person, sagt twigs selbst. 

„Ich freue mich sehr darauf, ein kleines Teil in einem großen Puzzle sein. Für mich ist es am schlimmsten, wenn ich mir selbst überlassen bin.”

Vom Schwertkampf zum Leinwand-Debüt

Vermutlich hilft diese vermeintliche Sturheit FKA twigs, wenn sie selbst ein Ziel definiert. Zum Beispiel, wenn sie für das Video von „Cellophane” Poledancing lernen muss oder nur ein perfektes Rad schlagen will. „Ich liebe es, mir selbst ein Ziel zu setzen und dann darauf zuzugehen, wie eine Art Rückwärts-Technik. Wenn ich zum Beispiel Schwertkämpfen will, aber noch nie ein Schwert in der Hand hatte. Vielleicht habe ich dann aber ein Jahr, um es zu lernen, also los geht’s!“ Mittlerweile beherrscht FKA twigs den Schwertkampf so gut, dass er schon oft Teil ihrer Performances oder eines Musikvideos für einen ihrer schönsten, emotionalsten Track war („sad day”). Ihr Schwert hat sie bekanntlich nach der komplexen mythologischen Geschichte eines weiblichen Dämons benannt: Lilith.

Foto: Orograph

Die Liebe zur Disziplin wird twigs demnächst am Filmset für „The Crow” einsetzen können: An der Seite von Bill Skarsgård übernimmt sie eine Hauptrolle auf der großen Leinwand. Hier liebt sie es, die Kontrolle abzugeben und kann es kaum erwarten, sich dem Drehplan hinzugeben. „Andere würden sagen: ,Oh, das wird so schwierig, nach Prag zu reisen und den Film zu drehen’. Ich sage: Das wird ziemlich fab”, prophezeit sie und lächelt gespannt. „Ich glaube, ich habe auch Nacht-Drehs, also werden Autos draußen auf mich warten, in die ich einsteigen muss, zum Set fahren und zu einer ganz bestimmten Zeit in der Maske sitzen”. Wer entdeckt da nicht ihre die Liebe zur Chronologie? Twigs selbst jedenfalls schon: „Ich liebe die Strenge des Ganzen. Ich freue mich sehr darauf, ein kleines Teil in einem großen Puzzle sein. Für mich ist es am schlimmsten, wenn ich mir selbst überlassen bin.” 

„Ich erinnere mich an die Spice Girls, wie sie Fan-Club-Pics und Bilder für ihr Magazin rausbrachten, von dem ich besessen war! Ich bin mir sicher, dass sie nach einer Show auch keinen Bock mehr hatten, 12 spontane Bilder dafür zu schießen. Aber weißt du was? Das gehört zum Job dazu und macht mir nichts aus.”

Single „Killer”: Minimalistischer Pop mit Major-Label-Hintergrund

Bevor twigs aber durch die nächtlichen Straßen Prags fährt, geht es noch einmal um Musik. Ihr neuer Track „Killer” ist kurz, dauert knapp unter drei Minuten – wie die meisten Werke, die gerade auf TikTok viral gehen. Die Lyrics bestehen aus zurückgenommenen Liebesbildern, halb deskriptiv, halb metaphorisch. „It’s dangerous to be a woman in love”, verlautet die These der Einleitung, „I’m walking quick but you are keeping up/ Feel like I’m navigating muddy waters/ My daddy told me call him when I get home/That you consume when I’m not alone”. Ihre Arbeit werde demnächst reduzierter, sagt twigs, nur um sich direkt wieder selbst zu korrigieren: Es geht nicht darum, dass ihre Kreationen weniger opulent daherkämen, sondern eher darum, die „Zwiebel zu häuten”. Ob die Zwiebel ihre Persönlichkeit meint oder doch ihre audiovisuellen Welten, bleibt offen, das sei schwierig zu erklären, sagt twigs. Optisch reduzierter wird es aber wohl eher nicht – schließlich hat twigs nach Jahren unter Vertrag beim Indie-Label Yung Turks bekanntlich gerade erst zu Warner Music gewechselt, einem Major-Label. Das Video für „Killer” soll ein filmisches Werk sein, in dem eventuell auch „Élite”-Star Arón Piper auftauchen wird. Regie führte WoodKid, den Tanz choreographierte der renommierte brasilianische Tänzer Juliano Nunes. 

Das Promo-Erbe von Britney, Brandi und Co

Diese neuen Visuals wird twigs sicher auch auf TikTok promoten. Oder promoten müssen? Für die Künstlerin gehört das seit jeher zum Business. „Ich bin sicher, dass Britney, Christina, Brandi, Ashanti und so weiter früher eine Million an Meet and Greets machen mussten”, überlegt twigs, bevor die Tür zum Meetingraum aufgeht und sie sich ein letztes Mal unterbrechen muss. „Sowas machen wir ja nicht mehr. Ich erinnere mich aber an die Spice Girls, wie sie Fan-Club-Pics und Bilder für ihr Magazin rausbrachten, von dem ich übrigens besessen war! Ich bin mir sicher, dass sie nach einer Show auch keinen Bock mehr hatten, 12 spontane Bilder zu schießen. Aber weißt du was? Das gehört zum Job dazu und macht mir nichts aus. Wenn mein Label also ein paar TikToks von mir braucht und dann gute Promo für mich macht, bin ich dabei. Außerdem sieht man mit diesen Filtern ziemlich cute aus! Mit Social Media muss man eine Balance finden. Und wenn ich das mal nicht schaffe, lösche ich es eben wieder für ein paar Wochen.” Es ist kein großer Gedankenaufwand, zu überlegen, was twigs in dieser Zeit so veranstalten könnte: Filme drehen, Songs schreiben (sie schafft bis zu sieben an einem Tag), Räder schlagen, Schwertkämpfen, Regie führen, Tanzen, Collabs anschieben. Und vielleicht ja auch mal wieder was mit den Fingern malen.

Titelbild: Aidan Zamiri

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