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Redefining Beauty: Rina Sawayama über den Kampf gegen Stereotype

Rina Sawayama ist so eine, mit der man gern befreundet wär‘. So ein Girl, mit dem man durch Vintageläden streift, „RuPaul’s Drag Race“ streamt und fantasiert, wie die Welt mit weniger weißen alten Männern an der Macht wäre und wie sie uns gefiele mit mehr Fem-Power. Im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week Mexico haben wir Rina getroffen  – sie hat Fragen beantwortet und wir haben uns verliebt.

Spätestens nachdem Rina Sawayama mit Charlie XCX in London aufgetreten ist, haben Popfans einen neuen Eintrag auf dem Musik-Merkzettel vermerkt. Neben der Popkarriere ist sie Model. Zum Beispiel für MAC, Versace und GCDS und war erst kürzlich in der Netflix-Serie „Turn Up Charlie“ zu sehen. Ja, sie macht so einiges – aber alles was sie tut, vereint ihr Kampf gegen Stereotype. Sie spricht sich aus für mehr Sichtbarkeit von verschiedenen asiatischen Typen, und gegen weniger Kawaii-Klischees.

Weil Rinas Kunst so frei und bunt ist und sich oft mit unserer Beziehung zu digitalen Medien auseinandersetzt, wurde sie als Talent für das vorletzte Kapitel der Mercedes-Benz Fashion Story „How To“ auserkoren. Wer noch nichts davon gehört hat: Im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week Mexico erlernte das japanisch-britische Multitalent in Mexiko Stadt Schönheit im digitalen Zeitalter neu zu interpretieren. How? Einen Tag lang arbeitete sie mit Branchenpionieren wie den Makeup-Artists Lyle Reimer und Sweet Mutuals sowie der Hair-Stylistin Evanie Frausto zusammen, die auf ihre jeweils eigene Weise eine neue Ära der Schönheit vertreten. Die Crew setzte ihre unterschiedlichen Interpretationen von moderner Schönheit mit Rina um – zum Beispiel mit avantgardistischen Perrücken und konzeptionellem Face-Make-up – und präsentierten Schönheit als Form von Individualität und Selbstbewusstsein. Mega!

Rina, wir haben hier in Mexiko viel über die Schönheit der Indivualität und der Authentizität gesprochen. Mir ist eines deiner Tattoos bsonders ins Auge gesprungen: Die Outlines dreier Frauen. Was ist die Geschichte dahinter?
Einer meiner Lieblingsfotografen Ran Hang hat sich leider 2017 selbst umgebracht. Ich habe seine Bilder so geliebt. Er hat immer Asiaten halbnackt und nackt dargestellt. Es war einfach so eine Asiatische Intimität, die ich so schön finde. Er hat es geschafft Asiatische Sexualität sehr ästhetisch darzustellen. Nachdem er gestorben ist, habe ich mir eines seiner Motive stechen lassen.

Du kämpfst schon lange für mehr Sichtbarkeit von Asiaten und Asiatinnen. Was können wir als Medien tun, um das zu unterstützen?
Mehr als ein asiatisches Models aussuchen und Asiaten die Möglichkeit geben, ihre eigene Geschichte zu erzählen und nicht asiatische Klischees. Ich habe auch letztens einen Film gesehen, in dem eine Asiatin der Hautrolle gespielt hat. Es ging um eine Stripperin, die mit Pole Danc Geld für ihre Oma verdient. Die Ethnizität ist dabei nur ganz beiläufig. Wo waren die Geschichten der Asiaten in Hollywood so lange Zeit? Und solche Geschichten können auch in anderen Medien noch mehr visualisiert werden.

Hast du in deiner Karriere noch mit Vorurteilen zu kämpfen?
Ich sollte vor einem Jahr einen Plattenvertrag unterschreiben, aber ich habe gehört, dass vor allen Dingen Männer im Hintergrund einige rassistische Dinge über mich gesagt haben. Dann wollte ich natürlich nicht mehr unterschreiben. Aber ja, ich bin mir sicher sowas passiert immer noch öfters hinter verschlossenen Türen. Ich habe aber das Gefühl, mit meinem neuen Album fordere ich den erneut Westen heraus. Ich kann wahre Geschichten über echte Japanische Menschen erzählen. Es fängt schon allein mit meiner Familie an, die eine sehr gebrochene Familie ist.

 

Was hat deine Mutter von dir gelernt?
Meine Mutter hat viel Leid erfahren. Sie musste in den 90ern von Japan nach London ziehen. Am „Victory over Japan Day“ musste sie dann zum Beispiel sehr mit Rassismus kämpfen. Die Leute haben sie sehr beleidigt und sie konnte die Sprache noch nicht. Sie hatte so viele Gefühle, aber nie die Möglichkeit, sie wirklich auszudrücken. Und sie hatte die Community dafür auch nicht. Ich glaube, sie ist sehr stolz auf mich, dass ich zugleich so stolz auf meine japanische Herkunft bin und keine Angst habe, bestimmte Dinge auszusprechen. die gesagt werden müssen. Ich sage keine dummen Sachen und bin nicht reaktionär, sondern teile meine gelebte Erfahrung. Bei How To zum Beispiel war es mir wichtig, dass ich nicht Kawaii aussehe. Meine Mutter ist stolz, dass ich im Prozess immer sicherstelle, dass ich meine Wahrheit erzählen kann und nicht ein Stereotype einer Japanerin bin.

Ist deine Mutter bei Insta?
Das ist sie! Sie ist zurück nach Japan gezogen und ist etwas entspannter. Sie ist so sweet, sie vloggt – es ist bizarr, aber so schön, dass sie ihr Ding macht. Ich denke mir immer: ‚Du hattest ein hartes Leben, also gönn dir jetzt‘.

Glaubst du, dass Wut ein wichtiger Motor für Veränderung ist?
Ja. Ich würde es aber nicht Wut nennen, sondern Empörung. Es ist ein Mix aus Empörung und Hoffnung. Ich mag Aktivismus nicht, der einfach wütend ist. Das ist reaktionär. Ich glaube nicht an Canceling und auch nicht an diese Kultur. Aus akademischer Sicht ist das das Schlimmste, was du tun kannst. Du bringst Menschen nur weiter auseinander und wir haben gesehen, was das in der Vergangenheit mit Menschen gemacht hat in der Politik, wenn die Leute immer mehr auseinandertriften. Deshalb glaube ich, dass man bei Aktivismus das Element Hoffnung braucht, damit es der Welt besser gehen kann. Ich mag es nicht, wenn Menschen nur schauen, dass es ihnen besser geht. Wir müssen eine Umwelt schaffen, die Leute bildet, anstatt Leuten etwas befiehlt. Die Drag-Szene ist so gut darin, denn die nehmen sich nicht zu ernst. Sie kreieren Humor und Kunst, Musik und Lyp-Sync auf der Bühne. Das ist der Weg, den ich sehe. Es gibt genug Ärger, Trauer und Krieg auf der Welt. Und wir haben das Privileg, nicht noch mehr Ärger zu verursachen, sondern können aktivistisch sein, in dem wir Hoffnung und Freude ausdrücken.

Kannst du deine perfekte Welt skizzieren?
Ein Ort, an dem Menschen den Klimawandel nicht verleugnen. Ich weiß nicht, wie das geht, aber Leute verneinen ihn tatsächlich noch. Ich denke, das hängt mit dem Internet zusammen. Die Menschen lesen fast nur noch online und vertrauen nicht mehr den richtigen Quellen. Ich will eine Welt sehen, in der die Natur respektiert wird.

 

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Edith Loehle
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