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Anxiety schneller Alt?

Lässt mich Angst schneller altern?

Shut Up, Brain ist eine Kolumne von Jill Gutowitz. In dieser Reihe beschreibt sie, wie ein Leben mit Angststörungen aussieht. Relatebale, wenn auch du unter Anxiety leidest, eindrucksvoll verdeutlicht, wenn du’s nicht kennst.

Mein erstes graues Haar entdeckte ich mit 19 Jahren. 

Damals, an einem heißen Sommernachmittag in New Jersey, saß mit meinen Jugendfreunden auf der Veranda. Von unserem Stammplatz aus beobachteten wir, wie die Autos durch unsere kleine Heimatstadt fuhren, während wir tratschten und Bier tranken. Alles war wie immer – bis meine Freundin Kristen plötzlich schrie: „Jill, du hast ein graues Haar.“ Ich dachte, sie spinnt. Aber wie sich herausstellte, hatte sie Recht. Bevor ich diese Information und ihre Konsequenzen beginnen konnte, entsprechend zu verarbeiten, zog mir den Bengel mit voller Wucht aus dem Kopf und hielt ihn hoch, damit ihn alle sehen konnten. „Oooh“, sagten wir im Kanon und nähersten, während wir im Einklang unsere Köpfe zusammenschoben. Wie Pflanzen, die sich dem Sonnenlicht zuwandten: Es war unser erstes graues Haar.

Angststörungen und das Alter

Acht Jahre später trat ich erneut mit dem Thema in Kontakt. Auf der Brust einer guten Freundin entspannend, ging das Grau(en) weiter. Sie wies mich darauf hin, dass unter meinem blondiertem Schopf mehr graue Haare vergraben waren, als sie zählen konnte. Viel mehr, als ich mir je hätte vorstellen können. Ich hatte den point of no return erreicht. Allein diese Erkenntnis versetzte mich direkt wieder in eine Spirale der Angst.

Zuerst dachte ich: Oh nein, ich graue wahrscheinlich schneller als jeder andere in meinem Alter, weil ich ständig unter Stress stehe. Es kam mir nur logisch vor, durch meine für andere zwar unsichtbaren, aber täglichen Ängste und Stress, neben den mentalen, auch körperlich negative Auswirkungen auf mich haben würde. Obwohl sich die Wissenschaft noch nicht ganz einig ist, soll ein treibender Auslöser des frühen Ergrauens, vor allem übermäßiger Stress sein – und davon hatte ich wegen meines sich ständig im Kreis drehenden Kopfes sicher mehr als genug. Durch meine Anxiety trug ich also nur noch weiter zu farblosen Problem bei. Great! Es war ein Fass ohne Boden und ich verzweifelt!

Ich beschloss, endlich von meiner Spirale aus Stress und Rastlosigkeit Gebrauch zu machen und mit jemandem zu sprechen, der sich auf dem Gebiet auskennt und mir meine mir Anxiety-bereitenden Fragen beantworten könnte. Ich wollte (und musste) genau wissen, welche Auswirkungen Stress auf unseren Körper haben kann und ob darunter auch all so lustiges Zeug wie Falten, graues Haar und fahle oder unreine Haut fällt.

Also wandte ich mich an Stefanie DiLibero, die sich auf kosmetische Akupunktur. Ich hoffte, ihr fundiertes Wissen über effektiven Stressabbau und emotionales Wohlbefinden, gekoppelt mit chinesischer Medizin, könne mir ein wenig Seelenfrieden geben. Ihr Unternehmen, Gotham Wellness, mit Sitz in New York und betreut neben zahlreiche prominenten Kunden seitdem auch mich.

Wie bist du zur Akupunktur und Hautpflege gekommen?
Ich arbeite seit fast 20 Jahren im Bereich Wellness. Zum ersten Mal mit chinesischer Medizin in Kontakt gekommen bin ich in Taiwan, wo ich für einige Zeit lebte. Durch den extremen Smog wurde ich krank und ging wegen Halsschmerzen zum Arzt. Ich rechnete damit, irgendein Präparat verschrieben zu bekommen. Stattdessen drückte er an meinen Ellenbogen herum und meinte kurze Zeit später ganz selbstbewusst, meine Halsschmerzen seien nun weg. Völlig verwirrt dachte ich, er hätte meine Symptome missverstanden, merkte aber schnell, dass er tatsächlich Recht hatte!

Die Hautpflege-Komponente begann, als ich mich meinen 40’ern näherte, immer noch mit Akne zutun hatte, aber in Würde und ohne Botox altern wollte.

Wie wirken sich Stress und Angst auf unseren Körper aus?

Der Alterungsprozess ist untrennbar mit Stress verbunden. Besonders nachts. Denn während wir schlafen, hat der Körper Zeit, sich zu regenerieren. Ohne oder mit wenig Schlaf bleibt weniger Zeit für die Reparatur. Sind wir Stress oder Angst ausgesetzt, muss der Körper Energie für die Behebung der Krisen im Kopf aufwenden, und gibt sie nicht für tägliche Prozesse wie die Verdauung aus, wo sie eigentlich gebraucht wird. Es hilft wenig, dass wir in der heutigen Welt ständig mit einer Vielzahl stressiger Situationen konfrontiert werden. Eine verpasste Bahn, eine wichtige E-Mail vom Chef oder eine Instagram-Notification können alles Trigger sein. Auch wenn nichts davon überlebenswichtig ist, beginnt der Körper sofort mit der Heilung. Hinzu kommt, dass Stress den Cortisolspiegel erhöht, der wiederum Entzündungen im Körper verursacht. Äußern können diese sich auf vielerlei Art und Weise. Am häufigsten sind Hauterkrankungen wie Akne, Verdauungsstörungen oder eine übermäßige Flüssigkeitsansammlung im Gesicht, die zu Schwellungen führt.

Lass mich das verdeutlichen: In der chinesischen Medizin spricht man von jing. Dieses uralte Konzept bezieht sich auf die Menge an unterschiedlichen Energien, die unsere Eltern uns bei der Geburt mitgeben. Man kann sich das so vorstellen wie einen angeborenen Akku. Die Verteilung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es heißt, sogar unsere Lebensdauer sei davon abhängig, wie man mit dem jing haushaltet. Demnach können bestimmte Merkmale, wie z.B. früh einsetzende graue Haare, zum einen erblich bedingt sein (danke für den jing, Mama und Papa!), und zusätzlich durch äußere Einflüsse wie den Lebensstil beeinflusst werden.

Welche Ansätze gibt es in der chinesischen Medizin mit Stress und Angst auf gesunde Art und Weise umzugehen?

Der Fokus liegt auf der Energie, auch Qi genannt. Diese sollte im besten Fall frei fließen können und sich ungehindert zwischen dem Nervensystem und den Körperfunktionen bewegen können. Wenn wir Stress und Angst erleben, fließt sie weg vom Körper und hinein in den Kopf, oder versucht, Stress-Symptome wie steigenden Blutdruck und die Atemfrequenz zu regulieren. Das bedeutet, dass das Qi von einer oder mehreren Funktionen weggenommen und auf eine andere umgeleitet wird, wodurch ein Ungleichgewicht entsteht. Ziel der Akupunktur ist es, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen und so die Leistung unseres Körpers und unseres Geistes zu verbessern.

Welche Art von Behandlungen bieten Sie für Menschen an, die unter Stress oder einer Angststörung leiden?

Jede Akupunkturbehaundlung ist genau auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten. Im Allgemeinen klagen die Menschen selten über eine Beschwerde, wie Stress oder Angst; normalerweise treten diese Probleme gemeinsam mit Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Verdauungs- oder Menstruationsproblemen auf. Während Erkrankungen in der westlichen Medizin häufig einzeln betrachtet werden, fasst die chinesische sie zusammen. Allein dieser ganzheitliche Behandlungsansatz wirkt sich auf die meisten Patienten beruhigend aus.

Welche Art von Self-Care kann man zudem praktizieren, um Stress und Anxiety vorzubeugen?

Ruhe! Viele Leute stressen sich nur noch mehr, indem sie alles an Wellness ausprobieren, was ihnen unterkommt. Wenn Meditation dich nur unruhiger macht, versuche vielleicht einen Spaziergang zu machen, um den Kopf frei zu kriegen. Verbringe mehr offline Zeit mit deinen Freunden, statt auf Social Media. Akupunktur ist großartig für Menschen mit Anxiety, weil du nichts weiter tun musst, als zum Termin zu erscheinen – der Körper erledigt dank der Nadeln den Rest ganz von allein. Und du wirst schnell Ergebnisse sehen. Durch wiederholte Behandlungen wird das Nervensystem nämlich jedes Mal schneller den Switch vom stressbehafteten „Kampf oder Flucht“-Zustand in einen gesunden, geprägt von Ruhe und Verdauung machen können.

Mehr zum Thema Anxiety liest du hier und wenn du deine Eltern ab sofort für dein beschissenes jing verantwortlich machen willst, tu das. Vielleicht entspannt diese Erkenntnis dich bereits genauso wie mich.

Text: Jill Gutowitz via NYLON.com

Martyna Rieck
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