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Sadness und Smilez: Noah Cyrus über Familien-Dinner, persönliche Krisen und ihren liebsten Happy-Song


Ihr Nachname könnte schon die gesamte Lebens
geschichte bestimmen: Cyrus bedeutet Fame-Leben in L.A., weltweite Bekanntheit, berühmte Verwandte. Als jüngstes Mitglied kann Noah Cyrus all das mit links abhaken. Trotzdem legt sie selbst gerade als Musikerin erst richtig los – und dabei all ihre Gefühle offen. Von Sadness und Smiles im Show-Biz.

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Eine Woche nach unserem Gespräch wird Noah Cyrus in einen Flieger nach Bali steigen, auf dem Weg zu einem Songwriting-Camp. Jetzt gerade aber hat sie Probleme beim Packen. „Ich bin die absolute Weltmeisterin im Prokrastinieren“, lacht die 19-Jährige ins Telefon. Es ist elf Uhr vormittags in L.A., Noah aber ist schon seit acht Uhr früh immer wieder wach – ihr Welpe hält sie auf Trab. Statt Packen heißt es aber eben Prokrastinieren, also: Gassi gehen, Açai Bowl essen, mit dem Hund spielen – ein lässiger, entspannter Morgen. Solche „ziemlich ruhigen Vormittage“, wie Noah sie selbst beschreibt, sind dennoch bewusst gewählt: Nach dem Release ihrer ersten EP „Good Cry“, anschließender Tour, einzeln veröffentlichten Singles, einer Handvoll Gast-Features und eben jenen Songwriting-Camps gönnt sich Noah gerade zum ersten Mal Auszeit, seit sie 16 war. Neben den bereits veröffentlichten Singles hat sie innerhalb der letzten drei Jahre sicher mindestens doppelt so viele Songs geschrieben, die noch unter Verschluss sind. „Man weiß nie, was so aus einer Schreib-Session entsteht“, überlegt Noah. „Manche Songs passen nicht zu meinem Vibe, also pitche ich sie an andere Künstler.“ Ihr Vibe, das sind leicht düstere, akustische Sounds, manchmal mit schlichten Gitarren- oder Klavierelementen, manchmal aber sogar mit Gospel-Chor. Ganz anders als die Pop– und EDM-geprägten Gast-Features und Collabs, die Noah ihre ersten dreistelligen Millionen-Streams und Video-Klicks einbringen wie „All Falls Down“ mit DJ Alan Walker oder ihr Song „Again“ mit XXXTentacion.


noah cyrus coverstory interview familie cyrus tish mama emotionTop von Zana Bayne, Hose von Busted Brand, Schmuck von Ricardo Basta

Nicht nur musikalisch ist in Noah Cyrus‘ Kopf viel los. Die aktuelle Auszeit ist das Ergebnis anstrengender Monate: „Über Thanksgiving bis hin zu meinem Geburtstag im Januar waren es harte Zeiten, in denen ich viel Shit durchgemacht habe“, erzählt sie sofort. Noah spricht offen und unbefangen, unerwartet für dieses Level an Family-Fame. „Ich war auf Tour ziemlich depressiv und habe mich danach sehr einsam gefühlt.“ Negative Gefühle hätten ihr aber geholfen, Stoff zum Schreiben zu finden, denn gerade persönliche Krisen in Songs umzuwandeln sei wichtig. Doch selbst das Schreiben reicht nicht immer. Noah braucht Kontakt zur Familie – und zwar viel. „Ich weiß, ich rede ständig von meinen Eltern“, unterbricht sie sich selbst im Interview. Und es stimmt: Für einen Popstar aus dem Cyrus-Clan, von dem man erwarten würde, dass alle Fragen zur Familie auf maximale Ablehnung stießen, spricht Noah vor allem über eins: Familie. „Wir haben unsere eigenen Insider-Witze und Rituale: Wenn wir zum Beispiel zu Abend essen wollten, hat meine Mom uns immer Müsli hingestellt – und schon saßen alle mit einer Schale am Tisch. So ganz anders als bei einer Familie, bei der es feste Essenszeiten gibt und jemand kocht.“

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Es ist auch das Elternhaus, in dem Noah in Momenten der Verzweiflung – und ja, von denen gab es in letzter Zeit viele – immer wieder Zuflucht sucht. „So, wie ich mich noch vor ein paar Monaten gefühlt habe, hätte ich mir nie vorstellen können, ins Studio zu gehen. Ich bekam Panik oder habe unterwegs plötzlich angefangen zu weinen, völlig außer Kontrolle. Manchmal bin ich bei meinen Eltern vorbeigefahren und dachte: ,Fuck it, ich geh mal kurz zu Mama.‘ In diesen Momenten habe ich mich mit ihr aufs Bett gesetzt, weil das alles war, was ich brauchte.“ Noah habe Zeit mit ihrer Mom, Tish Cyrus, gebraucht und mit ihren Hunden – sie musste sich für einen Moment wieder wie ein Kind fühlen. „Miley und ich, all unsere Geschwister eigentlich, mussten sehr schnell erwachsen werden – wegen dieser Industrie, in die wir hineingeboren wurden. Natürlich gibt es da Momente, in denen wir unsere Eltern vermissen.“ Rituale wie das Müsli-Dinner haben für Noah die Vorstellung vom normalen Familienleben bewahrt, von dem sie keinen Moment verpassen will – trotz Fame und Klatsch-Artikeln, die schon über sie berichten, seit sie selbst ein kleines Kind war und ihre große Schwester der bekannteste Teenie-Star der USA.

„Zeit mit meiner Mom und ihren Hunden war alles, was ich brauchte – ich wollte wieder Kind sein.“

Seit der neunten Klasse wurde Noah zu Hause unterrichtet, aber auch vorher hatte sie an der gesamten High School gerade mal 45 Mitschüler. Einen Abschlussball gab es für sie nie – Noah aber trauert dem nicht hinterher. „Mir scheint es in der Schule ziemlich brutal zuzugehen. Ehrlich gesagt wäre ich gerade ungern dort. Die High School wirkt wie ein furchteinflößender Ort mit vielen gemeinen Menschen, die versuchen, eine Menge Kids fertigzumachen – kein guter Ort für Menschen mit Selbstzweifeln. Meine Mom erzählt immer wieder von ihrem Abschlussball oder ihrem High-School-Sweetheart, aber solche Dinge haben sich seit ihrer Zeit so sehr verändert. Es macht mich nicht traurig, all das verpasst zu haben.

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„Mir scheint es in der Schule ziemlich brutal zuzugehen. Ehrlich gesagt wäre ich gerade ungern dort.“

noah cyrus coverstory interview familie cyrus tish mama emotionLinks: Trenchcoat von George Keburia, Stiefel von Jeffrey Campbell; Rechts: Top von Zana Bayne, Biker-Shorts von Aiello über Frankies Bikinis, Rock von George Keburia, Socken von Damer Socks, Schuhe von adidas Originals, Schmuck von Ricardo Basta

Einen Nachteil hat die High-School-Abstinenz aber trotzdem: Um ihre jetzigen Best Friends zu finden, hat Noah lange gebraucht – nicht zuletzt auch, weil L.A. dafür ziemlich „tricky“ sei, wie sie sagt: „Menschen haben verschiedene Motive, sich mit einem anzufreunden, und es ist schwierig, zwischen guten und weniger guten zu unterscheiden, wenn man sie kennenlernt.“ Doch es hat geklappt. Am Abend vor unserem Interview postet Noah eine Insta-Story, wie sie auch in jeder anderen Freundes-Clique einer 19-Jährigen entstehen könnte: Dance-Sessions reihen sich an eine Karaoke-Performance von Natasha Bedingfields 2005er-Hit „Unwritten“. Als ich Noah darauf anspreche, steigt sie direkt ein: „,Unwritten‘ ist mein absoluter Lieblingssong aller Zeiten! Wenn er läuft, kann ich nicht anders, als dieses verdammt riesige Lächeln aufzusetzen.“

Noah über Billie Eilish: „Sie ist ein verdammtes Bad-Ass-Girl”

Kann man ein solches Lächeln durchs Telefon hören? In diesem Gespräch schon. Ein bisschen verwunderlich, denn besonders auf Fotos inszeniert sich Noah eigentlich entsprechend einem Vibe, den ihre männlichen Rap-Kollegen als „Sad Bois” etabliert haben – Lächeln ist da Fehlanzeige. Ist nun dank Künstlerinnen wie Noah und ihrer Freundin Billie Eilish die Zeit der Sad Girls gekommen? Vielleicht, weil junge Frauen immer mehr zu ihren Gefühlen stehen? „Billie ist eine meiner Freundinnen, sie ist ein verdammtes Bad-Ass-Girl, das verdammt noch mal Millionen jungen Menschen helfen kann.“ Helfen, das ist für Noah essenziell – deshalb spricht auch sie so offen über ihre psychischen Probleme und thematisiert sie in ihren Songs. „Es kann nie zu viel Awareness geben, so viel ist sicher. Wir müssen darauf aufmerksam machen, dass es Menschen schlecht geht. Wir müssen auf Menschen zugehen und uns kümmern. Es darf nicht alles auf der jeweiligen Person selbst lasten, wir müssen für sie da sein.

Mama knows best

Und wer war es, der für Noah selbst da war in den dunkelsten Zeiten, in denen aus ihren Song-Lyrics übers Weinen Wahrheit wurde? Klar: Mama. Gerade erst hat Noah sich deren besten Rat auf die Hand tätowieren lassen: „You will be.“ „Ich sagte meiner Mom immer wieder: ,Ich fühle dies nicht, ich bin nicht das, ich bin nicht glücklich, bla bla bla.‘ Alles, was sie antworten konnte, war: ,You will be‘ – du wirst okay sein.‘ Und irgendwas daran hat mir unglaublich geholfen. Wenn man eine Message aus diesem Interview mitnehmen sollte, dann, dass es Menschen gibt, die einen lieben und da sind, wenn man denkt, dass es niemanden mehr gibt. Du kannst um Hilfe bitten, denn es gibt Menschen, die dir helfen wollen. Und niemand will dir mehr helfen als deine Mom.“ Ob die noch eine Müslischale übrighat?

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Fotos: Eva Zar
Styling: Donna Lisa
Haare: Dillan James
Make-Up: Natalie Lopez de Quintana


Bezahlte Partnerschaft mit Catrice.
Robin Micha
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