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Im Interview mit Hautpflege-Expertin Samantha Smith: Warum Beauty und Heilung unzertrennlich sind

Samantha Smith ist ganzheitliche Heilerin und Beauty-Expertin aus L.A und die Schwester des verstorbenen Rap-Stars Nipsey Hussle. Mit uns spricht sie über ganzheitliche Skincare, ihren Rat für junge Menschen, die ins (Beauty-) Business einsteigen wollen – und warum ihr Bruder ihr eigener Auslöser war.

Die Autorin und Wellness Coach Queen Afua sagte einst: „In euch findet ein kosmisches Gespräch statt, aber ihr müsst still sein, um die süße Sprache des Unausgesprochenen zu hören”. Samantha Smith ist der lebende Beweis dieses Zitats. Sie ist die Schwester des verstorbenen Rappers Nipsey Hussle und berherrscht die Kunst, auf ihre eigene Spiritualität zu hören und ihre Stimme als Mittel zur Heilung anderer zu nutzen. Täglich arbeitet sie daran, der Welt von Wellness mehr als oberflächliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Als in LA ansässige ganzheitliche Ästhetikerin (Vertreterin der Ästhetik, eine Art Schönheits- und Beauty-Expertin) und Hautpflege-Therapeutin arbeitet sie daran, spirituelle Heilung in ihre Behandlungen und bald auch in eine Linie von Hautpflegeprodukten einzubeziehen. Smith wuchs im Süden von Central Los Angeles auf.  Während sie in ihrer Umgebung schon früh Traumata erlebte und beobachtete, wuchs Samanthas Interesse an Heilung aus dem Wunsch, dass sie nicht ein Produkt jenes Traumas werden wollte. Diese Lektionen bildeten die Grundlage für ihre Reise – eine Reise, die die Schnittpunkte von Gesundheit und Wellness fördert, Mentoren und Gemeinschaft für marginalisierte Jugendliche an vorderste Front stellt. Sie versteht, wie wichtig es ist, diese Lektionen in Form von Chancen und Bildung an junge Menschen of Color weiterzugeben.

Hier  sprechen wir mit Smith über ihren ganzheitlichen Skincare-Ansatz, spirituelle Prinzipien und ihre Ratschläge für junge Menschen, deren Unternehmergeist geweckt wurde.

Jede Reise in das Feld ganzheitlicher Prinzipien ist unterschiedlich. Was hat dich auf diesen Weg geführt?
Ich steckte da schon immer drin. Meine Mutter legte viel Wert auf Wellness und darauf, dass wir uns selbst heilen, uns mit unserem inneren Selbst auseinandersetzen, unseren Körper verstehen. auf ihn hören und uns vom Geist leiten lassen. Nachdem ich mein Baby bekommen hatte, arbeitete ich im Marathon Store [von Bruder Nipsey Hussle in L.A.] und half ihm dort sehr viel. Während dieser Zeit lebte ich mit ihm zusammen, und etwas in mir sagte einfach: „Schau, das hier ist gut, aber du kannst deinen Brüdern auf eine tiefgründigere Weise helfen, indem du etwas beisteuerst, mit dem sie vielleicht nicht vertraut sind. Es war eine tiefere, intuitive Stimme, die sagte: „Du musst einen Kurs absolvieren und deine [Ästhetik]-Lizenz machen.“ Und als ich beschloss, mich von dieser Stimme leiten zu lassen, bekam ich am Ende auch meine Lizenz.

„Als Nipsey (…) verstarb, rückte das alles in die richtige Perspektive. Deshalb hatte ich einen tieferen Drang, Menschen zu heilen und das ganze Spektrum davon zu verstehen. Nicht nur, um sie äußerlich zu heilen, sondern auch, um Dinge innerlich zu heilen.”

Aber der Verlust meines Bruders Nipsey war der eigentliche Funke, der alles ausgelöst hat. Ein Woche vor all dem, was mit Nip passierte, war ich mit Queen Afua bei einem spirituellen Retreat. Wir waren dabei, den Kontakt zum Mutterleib zu suchen. Queen Afua ließ uns äußern, was immer der uns sagte – nicht aus dem Kopf, sondern aus dem Geist. Ich sagte: „Ich werde die Heilerin meiner Familie sein“. Nachdem ich das gesagt hatte, sagte sie: „Das ist deine Berufung.“ Als Nipsey eine Woche später verstarb, rückte das alles in die richtige Perspektive. Deshalb hatte ich einen tieferen Drang, Menschen zu heilen und das ganze Spektrum davon zu verstehen. Nicht nur, um sie äußerlich zu heilen, sondern auch, um Dinge innerlich zu heilen. Das war der Funke.

„Dass ich in Pflegefamilien war, meine Traumata von Jugendheimen, (…) – all das zwang mich dazu, tiefer in mein Selbstverständnis einzutauchen und früh meine eigene Stimme zu finden. Ich habe gelernt, durch alle Höhen und Tiefen, die das Leben einem entgegenwirft, unbeirrbar zu sein.”

Ich glaube, die meisten Heiler*innen erleben genau diesen „Funken”, der sie verfolgen lässt, was sie tun wollen. Hast du dich trotzdem in irgendeiner Form schon während deiner Jugend zu dieser Arbeit berufen gefühlt?
Ja, in einem unglaublich jungen Alter habe ich ein tiefes Verständnis von mir selbst gewonnen. Ich habe verstanden, dass ich ein Kriegerin bin, die andere heilt. Als ich dann ebenfalls in ziemlich jungen Alter gewisse traumatische Dinge erlebte, habe ich das weiter verfolgt. Dass ich in Pflegefamilien war, meine Traumata von Jugendheimen, dass ich von Erwachsenen umgeben war, die versuchten, mich zu manipulieren – all das zwang mich dazu, tiefer in mein Selbstverständnis einzutauchen und früh meine eigene Stimme zu finden. Ich habe gelernt, durch alle Höhen und Tiefen, die das Leben einem entgegenwirft, unbeirrbar zu sein. Ich stehe hier und stehe aufrecht.

Diese Leitprinzipien und ein tiefes Selbstverständnis sind ja wichtig in allen Dinge, die wir tun. Wie sieht dein persönliches „Manifest” aus?
Bei dem, was ich tue, geht es mir um Integrität. Das bedeutet für mich, immer dieselbe Person zu sein und dasselbe zu tun, auch dann, wenn niemand hinsieht. Ich denke, das ist ein großes Ding, besonders in meinem Bereich. Du würdest nicht wollen, dass eine Person etwas bestimmtes erwartet und am Ende ist es etwas ganz anderes. Also, mit Sicherheit Integrität. Und: Transparent sein, keine Skills zurückhalten, keine Haterin sein. Wirklich, zu 100 Prozent.

Jetzt mal zum Geschäftlichen: Was möchtest du mit deinem Hautpflege Business repräsentieren?
Ich möchte, dass sich Menschen einfach mit der Person wohlfühlen, die sie sind,  wie sie aussehen und dass sie ihr höchstes Level an Selbstwert erreichen. Das wiederum wird ihnen das Gefühl geben, schön zu sein. Man muss zuerst das Innere heilen, denn alles, was wir darauf aufbauen, wird sonst zerbröckeln. Ich helfe, unterstütze und leite meine Kund*innen dabei, sowohl das Innere als auch das Äußere zu heilen. Das ist der Kern des Ganzen.

Ich nehme mir die Zeit, meine Kund*innen zu weiterzubilden, damit sie dieses Wissen mit nach Hause nehmen können, um sich auf ihrer Reise zu helfen. Was esst? Wie schlaft ihr? Wie sieht euer Leben zu Hause aus?

Dieser allumfassende Ansatz schließt definitiv eine Lücke in der Welt von Beauty und Wellness. Welche konkreten Leistungen bietet ein Studio wie deines an?
Unsere Dienstleistungen sind alle natürlich und maßgeschneidert, um die Grundursache von Hautproblemen anzugehen. Wir analysieren die Haut und den Lebensstil der Kund*innen, sodass ich zusätzlich zu den vor-Ort-Behandlungen zu Ernährungsprogrammen, Probiotika, Vitaminen und Wasserhaushalt beraten kann. Ich nehme mir die Zeit, meine Kund*innen zu weiterzubilden, damit sie dieses Wissen mit nach Hause nehmen können, um sich auf ihrer Reise zu helfen. Was esst? Wie schlaft ihr? Wie sieht euer Leben zu Hause aus?

Du beziehst Heilung auch in einen Großteil deiner Hautpflege Arbeit ein. Das erscheint mir sehr wichtig.
Ja, ich mache Energiearbeit innerhalb meiner Gesichtsbehandlungen. Ich verwende verschiedene Druckpunkte und verschiedene Massagetechniken im Gesicht, die dazu beitragen, bestimmte Energien im Menschen auszugleichen, und ich übertrage bestimmte Energien in mir auf die Menschen, indem ich über sie meditiere. Ich verwende auch Kristalle. Ich versuche, alle Modalitäten des Energieausgleichs in meine Arbeit einzubeziehen.

Hast du einen Rat für junge Unternehmer*innen, die dieses Interview vielleicht lesen und einen ähnlichen Weg einschlagen wollen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen?
Ihr müsst sicherstellen, dass ihr es wirklich wollt. Ihr müsst wissen, dass es nicht nur um das Geld geht, denn Geld ist zweitrangig. Es gibt Höhen und Tiefen. Aber wenn  ihr euch einmal drauf eingelassen habt und zielgerichtet arbeitet, klappt am Ende alles. Auch wenn es so aussieht, als ob es nicht klappt, auch wenn ihr vielleicht die Wohnung verlieren könntet (…) – wenn ihr eine unnachgiebige Kraft in euch tragt, werden ihr das Licht am Ende des Tunnels erreichen.

„Ich denke, man sollte sich den eigenen Geist erschließen und sich selbst wirklich verstehen, bevor man versucht, in das Feld des Unternehmertums einzusteigen. Wenn ihr das erst einmal getan habt, werdet ihr in der Lage sein, mit den Höhen und Tiefen zurechtzukommen und euch nicht entmutigen zu lassen.”

Aber Unternehmertum ist nicht für jede*n etwas. Deshalb muss man ehrlich zu sich selbst sein und wissen, dass man als Unternehmer*in die Arbeit von allen macht. Man kann sich auf niemanden verlassen, man muss eine Führungspersönlichkeit sein. Man muss eine Vision haben. Man kann nicht das Leben von Anderen leben, das wird nicht funktionieren. Ich denke, man sollte sich den eigenen Geist erschließen und sich selbst wirklich verstehen, bevor man versucht, in das Feld des Unternehmertums einzusteigen. Wenn ihr das erst einmal getan habt, werdet ihr in der Lage sein, mit den Höhen und Tiefen zurechtzukommen und euch nicht entmutigen zu lassen. Man muss weitermachen.

Die Hochs und Tiefs des Unternehmertums sind real. Welchen Rat würdest du  Leser*innen geben, die vielleicht gerade einen Tiefpunkt durchmachen?
Wir alle haben unsere düsteren Momente, aber im Leben geht es um Ausgewogenheit. Niemand ist in der Lage, dem Leben ohne Schmerzen zu entfliehen, Punkt. Aber jeder Tag ist ein Reset. Egal was passiert, macht weiter. Es ist nur der Körper, der Schmerzen hat, aber der Geist ist stark, so sehe ich das. An einem Tag kämpft man vielleicht mit einem kleinen Problem und am nächsten Tag mit einem wirklich großen. Man muss nur genug an sich selbst glauben, dass, egal was passiert, es einen nicht besiegen wird.

In der Welt von Skincare und Beauty sehen wir oft, wie kleine und große Unternehmen eurozentrische Schönheitsstandards anwenden, um Blackness, Sichtbarkeit und Chancen für die Community auszulöschen. Siehst du solch eine Entwicklung auch im Wellness-Bereich?
Wenn wir das Problem zu unseren Wurzeln zurückverfolgen, dann gehörten wir [Schwarze Menschen] zu den vorherrschenden Kräfte in der Hautpflege und Beauty-Industrie. Das wurde uns abgenommen, und verschiedene Kulturen haben Dinge, die wir als Schwarze Kultur geschaffen haben, übernommen und versucht, sie als eine europäische Sache zu beanspruchen. Ich gehe also zu meinen Wurzeln zurück und mache das, was meine Vorfahren getan haben.

„Ich will (…), dass eine Person, die eine Haut wie ich hat, zu mir kommen kann und weiß, dass sie bedient, behandelt und dass ihre Haut verstanden wird, denn ich habe ein persönliches Verständnis davon.”

Wir sind unterrepräsentiert. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich mich als Schwarze Ästhetikerin so leidenschaftlich für Hautpflege interessiere. Das soll nicht heißen, dass ich nicht an allen Menschen arbeiten möchte. Ich will aber, dass eine Person, die eine Haut wie ich hat, zu mir kommen kann und weiß, dass sie bedient und behandelt wird und dass ihre Haut verstanden wird, denn ich habe ein persönliches Verständnis.

Was steht neben deiner kommenden Hautpflegelinie noch für dich an?
Ich arbeite an einem Wellness-Zentrum, in das Menschen kommen können, um sich ausbilden zu lassen und einen sicheren Raum zum Heilen, Entspannen, Reden, Treffen und Zusammensein mit Menschen zu haben, die ähnlich denken und nach ähnlichen Dingen suchen wie sie – und Zugang zu Ausbildungskursen. Ich habe auch viel geschrieben, und zwar nur, um loszulassen und Botschaften zu verbreiten, die produktiv sind, denn ich habe das Gefühl, dass wir gerade von vielen Dinge hören, die sich nicht wirklich vorwärts bewegen. Wir wollen also daran arbeiten, das umzukehren.

Außerdem halte ich es für sehr wichtig, eine Mentorin zu sein. Mein Partner, DJ Osh Kosh, und ich bringen unsere gemeinnützige Organisation Dreamers Youth wieder auf den Weg und bieten regelmäßige Workshops an, die Jugendliche in marginalisierten Gemeinschaften befähigen, ihren Horizont zu erweitern und durch Mentor*innen und Kunsterziehung das zu finden, was sie kreativ antreibt. Ich glaube, wir brauchen mehr alternative Wege, um Kinder für die Möglichkeiten dessen zu öffnen, was außerhalb eines traditionellen Lehrplans liegt. Selbst wenn wir in der Geschichte zurückblicken, ist es der Mangel an Ressourcen, der große Konflikte verursacht.

Wenn wir bei den Kindern anfangen und wir sie verschiedenen Dingen aussetzen können, nehmen sie das mit in ihr Erwachsenwerden. Es eröffnet [ihnen] die Möglichkeit zu verstehen: „Oh, ich kann mich tatsächlich in der Welt etablieren. Ich kann mein Talent und meine Kreativität einsetzen, ich kann meine künstlerische Ausbildung nutzen und mir einen Namen machen.”

Fotos: Patrick Chen via NYLON.com
Styling: Aenon Bowie, Ashley Dalton, Victoria Cocieru, Talia Smith, Ty Neely
Kleidung über: 9th&GRAND und Kheops
Make-Up: Ashley Dalton
Text, Creative Direction & Set-Design: Talia Smith
Besonderer Dank an: Samantha Smith, Ann Clarke, Aenon Bowie, Raylene Castillote, Asha Holland

Dieses Interview wurde eingekürzt.

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