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Der „Marie Antoinette“-Soundtrack zeigt, was es heißt, ein Millennial zu sein

Natürlich gibt’s nicht. Lebenslektionen von einem der buntesten Millenial-Film-Soundtracks ever.

Text: Hayden Manders // Bild: Columbia Pictures

Sofia Coppola nahm sich große künstlerische Freiheiten heraus, als sie 2006 ihr gelangweiltes Epos „Marie Antoinette“ drehte. Die auf dem Bildschirm präsentierte pastellfarbene Fantasie des Versailler Lebens des 18. Jahrhunderts, komplettiert durch Converse-Sneaker, war natürlich genau das: eine Fantasie. Tatsächlich diente Marie Antoinettes Geschichte eher als Kulisse für Coppolas Erzählung über das Erwachsenwerden einer hoch privilegierten jungen Frau. Dank unserem aktuellen Coverstar Kirsten Dunst erwachte die Titelheldin prächtig zum Leben, doch es war der New-Age-Rock’n’Roll-Soundtrack des Films, der die Geschichte zum Singen brachte. Es ist der perfekte Soundtrack für dieses sehr reale, sehr fesselnde und für Millennials so typische Gefühl der Langeweile – ein Gefühl, das Coppola liebevoll einfing, bevor die Millennial-Generation (und Millennial Pink!) überhaupt Schule machte.  Man muss nicht lang grübeln, um die Aussage des Soundtracks zu verstehen: nämlich was es heißt, jung, gesellschaftlich anerkannt und doch unerfüllt zu sein. „Gang of Four“ sinniert in „Natural’s Not In It” darüber, dass es „das Problem der Freizeit [sei], was man fürs Vergnügen tun kann.” Sobald sie in die Zwanziger kommen, die Schule hinter sich lassen und mehr Zeit darauf verwenden, sich selbst zu finden, werden Millennials verständlicherweise anfälliger für existenzielle Krisen. Die Internetkultur hat uns über die Ironie hinaus getrieben, und alles, was wir aus einer ernsten Absicht heraus tun, wird gewöhnlich durch ein „LOL“ oder andere Bemerkungen abgefedert, um die Situation etwas leichter zu machen. Songs wie „Whatever Happened” von „The Strokes“ und „I Do not Like It Like This” von „The Radio Dept.s“ fangen zwei Seiten derselben Medaille ein: die Frustration darüber, in einem System festzustecken, das gegen dich zu arbeiten scheint, und gleichzeitig den eigenen Träumen nachjagen zu wollen.

Coppola ist mit dem „Marie-Antoinette“-Soundtrack gelungen, dieses inhärent lustlose Gefühl in etwas Schönes, Erträgliches zu verwandeln. Seine Höhen schwelgen in koketten Flirts („Aphrodisiac” von „Bow Wow Wow“), seine filmische Sinnlichkeit wird durch die Drums von „Adam and the Ants’“ „Kings of the Wild Frontier” transportiert. Seine Tiefen sind keine traurigen Tiefen, sondern eher ambivalent und formlos, dank der üppigen Elektro-Sounds von „The Radio Dept.“, die sich mit benebelten, monotonen Vocals mischen. Der Soundtrack ist launisch, geil und ein wenig scheu; er ist irgendwie festgelegt und gleichzeitig auch nicht… LOL. Kommt euch bekannt vor?  Wie der Soundtrack von „Garden State“ ist auch die „Marie Antoinette“-Version wehmütig und etwas unterdrückt. Sie hebt das universelle Gefühl hervor, in einer Situation festzusitzen und verpackt dies in einer Weise, die sich für die damalige Zeit modern anfühlte – auch wenn die Platte größtenteils aus Songs früherer Jahrzehnte besteht. Im Gegensatz zu „Garden State“ endet der „Marie Antoinette“-Soundtrack jedoch nicht auf einer erhebenden Note. Er endet einfach. Dieser Schlusspunkt macht ebenfalls unmissverständlich klar, dass dies alles nur eine Atmosphäre und Kulisse dessen ist, was nach der Musik passiert – was eine Zeit sein sollte, in der ungenutzte Millennial-Energie zu proaktiver Initiative wird. Natürlich nur, bis es wieder Zeit wird zu flüchten. Zum Glück ist die sanfte Erinnerung daran, dass alles mehr oder weniger gut ist, immer nur eine Play-Taste entfernt.

Robin Micha
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