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Stranger Things Staffel 4: Hier sprechen die Make-Up-Artists der Serie über realistische Figuren und Herausforderungen am Set

Nicht nur in den Charts und bei Fans hinterließ die Stranger Things Staffel 4 einen bleibenden Eindruck. Von 80er-Jahre-Looks bis blutverschmiertem Fantasy-Schleim hat vor allem auch das Make-Up-Team zum Hype um die aktuelle Staffel beigetragen. Was aber steckt hinter den Looks der Figuren? Hier sprechen die Make-up-Chefinnen über ihre liebsten Looks, geheime Fan-Theorien und Tattoo-Vorlagen.

Wer wie ich seit dem Finale der Stranger Things Staffel 4 auch eine Leere im Herzen verspürt, weiß, wie schwierig es war, diese Serie auf der Watchlist zu ersetzen. Selbst im weiten Feld von Fernsehen und Streaming ist es schwierig, etwas zu finden, das alles zu bieten hat, was Stranger Things umfasst – von Sci-Fi-Horror und 80er-Jahre-Nostalgie bis hin zu Gefängnis-Thriller-Action-Szenen und Teenie-Witzen. Die Serie deckt eine Menge ab – und hat obendrein noch einen tollen Soundtrack. Vielleicht habt ihr aber auch nicht bedacht, was nötig ist, damit jede Figur in jeder Szene so aussieht, als gehöre sie in all diese verschiedenen Genres, die irgendwie mühelos ineinander übergehen.

Collage: Tina Rowden/Netflix; Getty Images via NYLON.com

Stranger Things Staffel 4: Von 80er-Jahre-Makeup bis Kampfwunden

Mit dieser Riesenaufgabe ist das Make-up-Team hinter Stranger Things Staffel 4 betraut, angeführt von den Leiter*innen Amy L. Forsythe und Devin Morales. Ihre Arbeit an der letzten Staffel brachte ihnen eine Nominierung in der Kategorie „Outstanding Period and/or Character Makeup (Non-Prosthetic)” bei den Emmy Awards 2022 ein, die nächsten Monat verliehen werden. Es ist leicht zu erkennen, warum sich die Beiden einen Platz in der obersten Liga der TV-Make-up-Künstler*innen verdient haben. Vor allem, wenn man bedenkt, wie vielfältig die Effekte sind, die sie auf dem Bildschirm darstellen müssen – von 80er-Jahre-Make-up bis zu Kampfwunden und allem, was dazwischen liegt. Anlässlich ihrer Nominierung haben wir mit Forsythe und Morales über die Kreation realistischer Charaktere gesprochen, über die größten Herausforderungen am Set – und natürlich über interdimensionalen Weltraum-Schleim.

Wie habt ihr den Design-Prozess für das Make-Up in dieser Staffel eingeleitet? Habt ihr vorher alle Drehbücher gelesen? 
Amy L. Forsythe: Nein, nein, nein. (lacht) Grundsätzlich drehen wir in Folge-Blöcken. Da kommen normalerweise zuerst die ersten zwei Folgen und dann die nächsten beiden Folgen. In dieser Staffel haben wir mit Folge drei und vier angefangen, waren also zuerst in Litauen und sind dann zum Drehen nach Atlanta gefahren. Irgendwann hatten wir nur noch die Skripte für die Folgen eins bis fünf – als die Fledermäuse Steve angreifen – und dann hatte ich gar nichts mehr in der Hand. Und ich dachte: „Oh mein Gott! Haben sie Steve gerade umgebracht?“ Wie kann man mich so hängen lassen?

Innerlich hattest du dann sogar dieselbe Anspannung wie die Zuschauer*innen. 
ALF: Hundertprozentig, und sogar noch mehr. Wir sind diesen Figuren so nahe, weil wir sie erschaffen haben, und wir sind den Schauspielern nahe. Wir wissen also, dass wir ihnen dabei zusehen werden, wie sie all diese Emotionen durchleben. Es ist sehr hektisch, wenn man sich das alles durchliest.

 

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Wo fangt ihr an, wenn ihr neue Figuren erschafft? Womit habt ihr in Staffel 4 losgelegt?
ALF: In den früheren Staffeln fingen wir an, Anspielungen auf die 80er-Jahre zu nehmen – Zeitschriften, Poster, Jahrbücher, sogar. Ich bin 42, also fragte ich auch Freunde nach Familienfotos. Das macht Spaß, weil die Fotos von allen im Trailer zu sehen sind und wir dann lachen und sagen: „Wow, so haben wir wirklich mal ausgesehen“. Aber damit ist es einfacher, Bilder aus der Mitte der USA zu bekommen, mit diesem Midwestern-Hawkins-Vibe.

Sagen wir mal, Eddie, der in dieser Staffel neu war, wurde als Heavy-Metal-, „Dungeons & Dragons”-Kerker-Master mit Tattoos gescriptet. Also wandte ich mich an Jeremy Sutton, meinen Tattoo-Designer, und begann mit dem Prozess. Ich sagte, dass ich als Motiv eine Puppenhand mit einer Art Ghul [Fabelwesen, Anm. d. Red.] haben wollte. Dann schickte er mir ein Bild, und ich sagte, dass ich es ein wenig anders haben wollte – und auf diese Weise leitete ich ihn immer hin und her. [Man kann sich das so vorstellen: Ich schlug eine Gruppe Fledermäusen als Motiv vor – ich rufe einfach Dinge in den Raum und er schreibt alles auf, und macht mir ein Flash [Poster mit Tattoo-Motiven, Anm. d. Red.]. Also, das war’s für Eddie. Und dann kommt das Kostümdesign und Eddie trägt die ganze Zeit einen Mantel (lacht). Aber ich wusste, dass Joe Quinn es wirklich geliebt hat, [die Tattoos] zu tragen, auch wenn man sie nicht sehen konnte.

Trotzdem konnten wir ja einige von ihnen doch in der Serie sehen. 
ALF: Na ja, das liegt daran, dass wir dafür gesorgt haben. Ich habe gefragt: „Wenn wir die Tattoos doch sehen würden, wann und wo wäre das?“ Und [die Crew] beschloss, dass es in der Szene im Wald mit Chrissy beim „Dungeons and Dragons”-Spiel sein würde, weil er dann nicht auf der Hut sein würde. Er zieht seine Jacke aus, damit sie sich wohler fühlt, oder wenn er mit seinen Freunden zusammen ist.

Hat eine von euch eine Lieblingsfigur, an der ihr am liebsten arbeitet?
ALF: Sie sind alle unsere kleinen Babys. Aber es kommt auf das Drehbuch an und darauf, was den Schauspieler*innen mitgegeben wird. Steve ist so wertvoll geworden, weil er sich so sehr um die Kinder kümmert. Diese Dynamik führt dazu, dass man sich zu bestimmten Figuren hingezogen fühlt. Nancy ist so eine knallharte Person – aber sie sieht so zurückhaltend aus. Diese kleinen Nuancen zwischen dem, was man von einer Figur erwartet, und dem, was sie tatsächlich ist, das finde ich an dieser Serie so brillant. Sie zeigt, dass starke Menschen weich sein können und weiche Menschen stark sein können.

Ich muss sagen, dass Yuri in dieser Staffel vom Design her einer meiner Favoriten war. Der Schauspieler [Nikola Djuricko]….jede*r hat darum gekämpft, ihn auf den Stuhl zu bekommen. Er ist sehr lustig und versprüht eine neue Art von Energie. Wir haben ihm goldene und von Kaffee vergilbte Zähne verpasst, ihn verwittert und verwundet aussehen lassen. Er war für alles zu haben.

Devin Morales: Es war toll, mit allen zusammenzuarbeiten. Es hat super viel Spaß gemacht, viele der neuen Charaktere einzuführen, sie zum Leben zu erwecken. Ihr wisst schon, Fred und seine Narbe oder Jason und die Jock-Typen und all die verschiedenen Stereotype, mit denen wir in dieser Staffel gespielt haben. Wir haben das auf eine sehr reale Art und Weise gemacht, und es hat einfach Spaß gemacht, eine Menge neuer Energie auf die Leinwand zu bringen.

ALF: Das Schöne an dieser Serie ist, dass je weiter man kommt, desto mehr aus den 80er-Jahren eingeflochten wird. Jetzt sind wir im Jahr ’86. Es gibt sogar noch mehr Charaktere, sodass wir dieses Jahr mehr Stereotypen zeigen können. Wir haben Susies Haus mit all diesen verrückten Kindern mit Kriegsbemalung gestaltet.

 

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Für welche Figur habt ihr in dieser Staffel die meiste Zeit gebraucht?
ALF: Ich glaube, Joe Keery hat am längsten Zeit auf dem Make-Up-Stuhl verbracht, weil wir die Kratzer und Schmutz kontinuierlich halten müssen, die Schnittwunden und blauen Flecken. Aber auch, damit er irgendwie wie ein Actionheld aussieht. Es ist also ein schmaler Grat, und man muss sich merken, wo die kleinen Details hingehören.

DM: Dem stimme ich zu. Aber es gibt auch so viele Dinge, die wir schnell lernen mussten. Oft haben wir mit mehreren Leuten an einer Figur gearbeitet, damit es schneller ging. Vor allem, wenn Minderjährige am Set sind – ihre Stunden sind begrenzt. Wir hatten ein großartiges Team, und es waren jeden Tag alle Hände voll zu tun, um die Dinge so schnell wie möglich zu erledigen.

ALF: Wir waren ungefähr acht Leute. Es ist so wichtig, genügend Leute um sich herum zu haben, die immer auf dem neuesten Stand sind. Es gibt nicht viele Charaktere in unserer Serie, die nicht jeder irgendwann einmal angefasst hat. Wir mussten wirklich sehr flexibel sein und durften nicht zu sehr auf unsere Schauspieler*innen Rücksicht nehmen. Wer auch immer den Look entworfen hat, gibt diesen Look weiter und stellt sicher, dass das Gegenüber Bescheid weiß.

 

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Wie haltet ihr die Looks kontinuierlich?
ALF: Wir haben Monitore, auf denen man während der Dreharbeiten Screenshots machen kann. Alles dreht sich um Bilder und Dokumentation. Wenn man keine Zeit hat, aufzuschreiben, was man der Figur aufgetragen hat, sollte man ein Foto von den Dingen machen, das man verwendet hat. Denn wenn einmal jemand aufgeräumt hat, wirst du dich nie wieder dran erinnern! Als wir den ganzen Schmalz und Schleim anrühren mussten…konnte offensichtlich keine*r von uns rechnen – denn jede Version sah völlig anders aus.

Wie stellt ihr diese Dinge her? 
ALF: Das Einzige, was wir wirklich von Grund auf neu machen mussten, waren der Schmalz und der Schleim, das Fledermausblut und so weiter. Es besteht alles auf der gleichen Basis und die färbt man dann einfach mit Make-up oder Lebensmittelfarbe ein – je nachdem, wofür man sie verwendet. Du musst ausrechnen, wie viele Tropfen von was auch immer du hineingibst, und dann schreibst du es auf. Dafür haben wir eine kleine Rezeptbox.

DM: Das ergibt auf jeden Fall einen Haufen lustiger Etiketten auf den Flaschen. So etwas wie „Interdimensionaler Schleim-Schmalz #1″ oder „Demogorgon-Spucke“, weil wir so viele Dinge haben, die spezifisch für unsere Serie sind, und die Farbpalette und die Produkte sind nicht vorgefertigt.

ALF: Ich habe so viel Blut von Eleven. Es ist verrückt. Wir haben einen langsam tropfenden Nasentropf. Wir haben einen schnell tropfenden Nasentropf. Wir haben einen tropffreien Nasentropf. Im Grunde wählt man aus, wo der Tropfen in der Szene hinfallen soll, denn sobald er die Lippe erreicht, wird es unschön. Man muss also abschätzen, wie lang die Szene ist und wo sie aufhören soll.

 

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Die Serie ist so beliebt, dass ihr sicher viel Feedback bekommen habt. Was ist euch dabei am meisten aufgefallen?

ALF: Ich liebe all die [Fan-]Theorien. Jede*r hat eine Theorie über irgendetwas. Wenn jemand weiß, dass ich an der Serie mitgearbeitet habe, sagen sie: „Oh mein Gott, meine Theorie ist…“

DM: Viele Fans lassen sich [Eddies] Tattoos stechen. Stimmt’s, Amy?

ALF: In der Sekunde, in der die Staffel rauskam, haben die Leute versucht, die Tattoos zu bekommen und Fotos davon zu machen. Ich bin selbst eine stark tätowierte Person und ich hasse den Gedanken, dass sich Menschen ein schlechtes Artwork stechen lassen und es später abdecken müssen. Also dachte ich mir, dass ich diese Designs nach und nach freigebe, und es war eine Art kleiner Futter-Orgie. Alle waren so aufgeregt, und haben sich dann darüber ausgelassen, was sie für eine Bedeutung hatten.

DM: Wie alle anderen auch sehe ich die lustigen Memes und die Kommentare, und sie sind einfach alle sehr süß und unterhaltsam. Ich liebe all die Kommentare zu den Bildern von Eddies Wunden, in denen die Leute sagen: „Die sehen gar nicht so schlimm aus. Ich glaube, er hätte überleben können!“

 

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Was war der verrückteste oder schwierigste Look, den ihr in dieser Staffel gestaltet habt?
ALF: Das Make-up ist nicht die Herausforderung – es ist die Zeit, die uns zur Verfügung steht. Die Make-ups haben wir entwickelt, wir wissen, was wir tun. Wir testen Dinge aus einem bestimmten Grund und wir testen Dinge aus einem bestimmten Grund erneut. So, dass es am Stichtag ganz einfach ist.

Ich glaube, am mühsamsten war es [in der Horrorsequenz], als Chrissys Vater [in Folge eins] an einen Stuhl gefesselt ist. Das war so ein Ding, weil dieser Schauspieler an einen Stuhl gefesselt sein musste, ohne Sicht und die Möglichkeit, mit uns zu sprechen. Wir brauchten also so viel Zeit wie möglich, denn wenn er eine Panikattacke bekommt, werden wir es nicht merken. Wir mussten es an ihm ausprobieren und sicherstellen, dass er sich wohlfühlt. Also ließen wir ihm die Wahl – entweder er kann sehen oder bis zur letzten Minute noch mit uns sprechen. Er entschied sich dafür, seinen Mund zu bedecken, weil er sein Auge zum Sehen und dafür benutzen konnte, Dinge auf einer Tafel aufzuschreiben. Und dann, etwa 20 Minuten bevor sie ihn brauchten, haben wir den anderen Augeneffekt aufgemalt. Wir brachten ihn herein und setzten ihn auf den Stuhl. Zu fünft haben wir fieberhaft daran gearbeitet – wir hatten Karten von unserem Test, [die uns gezeigt haben] wie die Fäden zu knüpfen waren -, ihn in den Stuhl zu nähen, und dann wurde gedreht. Dann rief [die Crew] zum Mittagessen und wir holten ihn so schnell wie möglich raus.

Gibt es etwas, woran ihr bei der Serie gerne gearbeitet hättet, aber noch keine Gelegenheit zu hattet?
ALF: Der bloße Inhalt, den uns die Serie für diese Staffel zur Verfügung gestellt hat, war einfach astronomisch, wisst ihr? Von der Rollschuhbahn über das Straf- und Arbeitslager Gulag und ein Labor bis hin zum Creel-Haus aus den 1950er Jahren. Was für ein Traum ist das? Es ist nicht wie die Arbeit an einer Sitcom, die ich gemacht habe – ich liebe sie, dort gibt es ein wirklich schönes Tempo –  aber es ist so anders. Als Kreative und als Leiterinnen anderer Kreativer wollen wir wirklich, dass die Leute mitmachen und Spaß haben. [Das Team] kommt morgens auf die eine Art und Weise rein, verwandelt sich bei der Arbeit, und am Ende des Tages sind sie wieder sie selbst. Das fühlt sich einfach sehr belohnend an.

Text & Interview: Sam Neibart

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