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Diäten sind tot, lang leben Diäten

Diäten sind out, positive Körperwahrnehmung und Selbstliebe sind in. Aber stimmt das wirklich? Oder ist „Wellness“ nicht einfach nur eine neue Bezeichnung für „Diät“?

Text: Sarah Beauchamp // Foto: Getty Images

Wohl kaum eine Frau hat nicht an irgendeinem Punkt ihres Lebens versucht, Gewicht zu verlieren. Der Fokus unserer Gesellschaft auf Kleidergrößen ist zu einer Besessenheit geworden, die alle Einflussbereiche betrifft. Der Auftrag, ein ganz spezielles Schönheitsideal zu verkörpern, ist allgegenwärtig – von den Werbeanzeigen, die uns umgeben, über die Magazine, die wir lesen, bis hin zu den Social-Media-Feeds, die wir regelmäßig scannen. Und während die letzten Jahre sich viel mit einer positiven Körperwahrnehmung beschäftigt haben, gehört die Stigmatisierung übergewichtiger Menschen noch längst nicht der Vergangenheit an. Vielmehr haben sich die Wörter geändert, mit denen wir diese Thematik umschreiben: „Diät“ ist ein schmutziges Wort geworden. Aber zu welchem ​​Zweck?

Der kürzlich veröffentlichte Artikel „Losing It in the Anti-Dieting Age“ von Taffy Brodesser-Akner im „New York Times Magazine“ thematisiert sowohl die schwierige Beziehung zwischen unserer Kultur und dem Streben nach Gewichtsverlust als auch die Art und Weise, wie Begriffe wie „Diäten“ durch „Wellness“, „Selbstfürsorge“ und „Selbstwertsteigerung“ ersetzt wurden.

„Wenn man genau hingesehen hat, konnte man förmlich beobachten, dass diese Veränderung langsam kam“, schreibt Brodesser-Akner. „,Diäten’ wurden jetzt als geschmacklos angesehen. Es war anti-feministisch. Es war undurchsichtig. Im neuen Jahrtausend sollten alle Körper akzeptiert werden. Und jede Tendenz, einen Körper zu verändern, war ein Beweis für mangelnde Akzeptanz. ‚Gewichtsverlust’ war ein Bestreben, das irgendwie auf der falschen Seite der politischen Korrektheit gelandet war. Die Leute wollten nichts damit zu tun haben. Außer dass viele von ihnen genau das taten: Sie wollten dünner werden. Sie wollten nicht ganz so dick sein. Nicht, dass irgendetwas falsch daran wäre, dick zu sein! Sie wollten Diäten nur ganz anders nennen.“ Während positive Körperwahrnehmung sich für uns wie ein großer Schritt nach vorn anfühlen mag, bedeutet es noch lange nicht, dass Frauen nicht auch weiterhin den Druck verspüren, ein ,ideales’ Körperbild zu erreichen. Und es schwächt auch nicht das gesellschaftliche Stigma ab, mit dem sich dickere Menschen noch immer konfrontiert sehen.

Ein Stigma, das nach wie vor hochgehalten wird – wie jeder weiß, der selbst „übergewichtig“ ist oder war. Ob in Flugzeugen oder Shopping-Malls: Die Welt verändert nicht ihre Meinung über übergewichtige Menschen. Sie stehen noch immer unter dem Druck, ihre Körper zu verändern. Sie sollen es nur nicht unter dem Stichwort „Diät“ tun. Sie sollen es aus Gründen der Gesundheit und Stärke tun, nicht aus Gründen der Optik.

„Gewicht ist nicht neutral“, schreibt Brodesser-Akner. „Der Körper einer Frau ist nicht neutral. Der Körper einer Frau geht alle etwas an, nur nicht sie selbst. Sogar in unseren Versuchen, uns gegenseitig zu befreien, versuchen wir noch immer einander zu sagen, was man zu wollen und zu tun hat. Es ist schrecklich, Leuten zu sagen, dass sie versuchen sollen, dünner zu werden. Es ist auch schrecklich, ihnen zu sagen, dass ihr Wunsch nach Gewichtsverlust hoffnungslos und falsch ist.“

Während also das Konzept der „Diät“ tot sein mag – ersetzt durch Worte wie „Wellness“ – bleibt die Idee gleich: Übergewichtige Menschen, vor allem Frauen, sind ein Problem, das gelöst werden muss; eine Frage, die von anderen Menschen zu beantworten ist. Und während die Art der Fragestellung sich vielleicht verändern wird, ist die Antwort stets: Eure Körper gehören nicht nur euch. Wir haben alle etwas dazu zu sagen.

Dieses Problem bleibt.

Nylon
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