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Coverstory: Wie Entertainer Riccardo Simonetti Selbstinszenierung und Verantwortung balanciert

Herzlich willkommen im neuen Zeitalter von Männlichkeitsbildern! Hier weichen alte Normen neuen Definitionen. Heute in der Hauptrolle: Entertainer Riccardo, der den Spagat zwischen Haarschwung und handfesten Themen jetzt erst recht auslebt.

 
Riccardo im Sleek Hair Look: Sleek Hair – Hitzeschutz-Spray „got2b Schutzengel“, Anti-Frizz- Lotion „got2b Schmusekatze“, Fixierungsbürste „Bye Bye Babyhaar“, Versiegelungsserum „Gliss Kur Anti-Spliss Wunder“, alles von Schwarkzopf, Longsleeve von Jasmin Wottke, Hose von Hermès

Hier geht’s zur gesamten Printausgabe mit Riccardo!

IM DEZEMBER 2019, nur wenige Monate bevor sich die Zukunft auf den Kopf stellen sollte, schrieb Riccardo Simonetti einen Brief an die Vergangenheit. Für NYLON adressierte er ihn an sein Teenie-­Ich und sprach darin unter an­ derem vom gleichzeitigen Übermut und der Angst, die sein 18-­jähriges Selbst verspürte. Er riet dem früheren Ich aber auch, seine Träume zu bewahren – schließlich wartete am Ende Großes auf ihn: „Der Weg, den du dir ausge­sucht hast (immer und überall vollkommen du selbst zu sein), ist ein Weg, den vor dir noch nie jemand so gegangen ist“, schreibt Simonetti an Simonetti. Und: „Jeder Stolperstein, den du aus dem Weg räumen wirst, wird nicht nur dich weiterbringen – sondern ganz viele, die so sind wie du.“

„Sich Herausforderungen zu stellen, fühlt sich an wie Erwachsenwerden”

Die motivierenden Zeilen an ein jüngeres Selbst könnten aber genau so für den Riccardo der Zukunft gelten. Auch wenn er sich gerade auf der Sonnenseite des Lebens befindet, habe er in diesem Jahr gelernt, seine Träume neu zu definieren, sagt der nun 27­-Jährige. Viele der Träume, die er seinem jungen Ich noch erhal­ten wollte, sind ohnehin bereits in Erfüllung gegangen: Als selbst ernannter Entertainer bekleidet Simonetti gleichzeitig Positionen als Moderator, Bestsellerautor, Showperson, Haar­-Testimonial für Schwarzkopf, Designer und ei­niges mehr. Dabei hat er schon viele Entschei­dungen getroffen, die Applaus bringen, virtuell und im Real Life: „Ein richtiger Mann hilft sei­ nem Glück auf die Sprünge“, zitiert er dazu frei aus „Titanic“, „oder wie Madonna sagt: ,Die meisten Menschen haben Angst zu sagen, was sie wollen – also bekommen sie es auch nicht.‘“ 2020 weiß Riccardo, was er will. Für ihn geht es jetzt um jene Entscheidungsmomente, in denen er, der schon auf der deutschen Forbes­ Liste der einflussreichsten Menschen unter 30 stand, auch manchmal allein dasteht – und erst mal niemand applaudiert. „Sich diesen Heraus­forderungen zu widmen“, sagt Riccardo, „fühlt sich an wie Erwachsenwerden.“

Natural Waves – Hitzeschutz-Spray „got2b Schutzengel“, Ansatz-Auffrischer „Taft Magic Volume“, Haarspray „Taft Wahres Volumen“, alles von Schwarzkopf; Sakko von Berluti, Kleid von Dior

Wer etwas verändern möchte, muss mutig genug sein, den unangenehmen Weg zu gehen

Es dürfte aber wohl nicht nur einem berühmten Entertainer schwerfallen, Wege einzuschla­gen, die eben nicht immer das nächste Herz auf Instagram oder ein persönliches Lob ein­ bringen. Spätestens jetzt und hier ist es den­ noch die Pflicht eines Menschen gegenüber sich selbst. Für Riccardo bestand sie in den vergangenen Monaten unter anderem darin, auf die starke Einschränkung von LGBTQIA+ Rechten (zum Beispiel in Polen) aufmerksam zu machen. Und auch hierzulande nutzt er sei­ne öffentlichen Auftritte von Insta­-Video bis Talkshow immer wieder, um auf Diskriminie­rung und Marginalisierung hinzuweisen oder zu erklären, dass Vielfalt kein Trendthema ausschließlich für den Pride Month ist. Und das gibt eben nicht immer Applaus. Riccardos Inhalte sollen eine Mischung von Unbequemlichkeiten und Ablenkung sein – in seiner Kommunikation mit dem Mainstream können und müssen Themen wie Haarpflege neben Handfestem existieren. „Wenn man wirklich das gesamte Jahr über Inhalte vermit­telt, die Menschen aus ihrer Komfortzone ho­len sollen und unabhängig davon sind, was der Mainstream gerade in anderen Medien gezeigt bekommt, merkt man schon, dass das immer kontrovers ist“, überlegt Riccardo. „Wenn ich über Haarpflege spreche, weiß ich, dass der Großteil meiner weiblichen Fans interessierter ist, mehr Feedback gibt und Fragen stellt, als wenn ich mit ihnen über HIV-­Aufklärung oder Homophobie spreche. Wenn man allerdings etwas verändern möchte, muss man mutig genug sein, auch den unangenehmen Weg zu gehen.“ Motto 2021, anyone?

links: Wet Look – Gel „Taft Ultra Styling Gel“, Haarlack „got2b Sprühkleber“, alles von Schwarzkopf; Mantel von Salvatore Ferragamo, Hemd von Etro, Hose von Kenzo; rechts: Sleek Hair – Hitzeschutz-Spray „got2b Schutzengel“, Anti-Frizz- Lotion „got2b Schmusekatze“, Fixierungsbürste „Bye Bye Babyhaar“, Versiegelungsserum „Gliss Kur Anti-Spliss Wunder“, alles von Schwarkzopf; Mantel, Hemd & Hose von Marni, Sandalen von Birkenstock

„Meine Haare stehen dafür, mich mehr zu lieben als die Meinung anderer”

Sleek Hair – Hitzeschutz-Spray „got2b Schutzengel“, Anti-Frizz- Lotion „got2b Schmusekatze“, Fixierungsbürste „Bye Bye Babyhaar“, Versiegelungsserum „Gliss Kur Anti-Spliss Wunder“, alles von Schwarzkopf; links: Mantel & Hose von Paul Smith, Hemd von Sandro, Schmuck: Riccardo’s own; rechts: Mantel von Issey Miyake, Shirt von Salvatore Ferragamo

Vielleicht kann Riccardo Simonetti aber gera­de durch seine Balance von Äußerlichkeiten und Essenziellem wirklich etwas verändern. So zeigt er, dass auch vermeintlich Oberfläch­liches zum Symbol des Einstehens für sich selbst werden kann – zum Beispiel Haare. Als Kind träumte Riccardo von sich als Mann mit langen Haaren in Haarspray-­Werbespots, heu­te tritt er als ebensolcher für Schwarzkopf als Ambassador auf. Wie er diese Erfahrung be­schreiben würde? Klar, wieder mit einem Zitat, einer Metapher – diesmal aber nicht aus der Popkultur, sondern aus der Bibel: Riccardo be­zieht sich auf die Geschichte des König Sam­son. Schnitt man dem seine langen Haare ab, wurde er verwundbar. Und ja, auch für Riccar­do sind Haare wie Gliedmaßen – sie sind Teil der Performance seines Selbst. „Ich habe mich im Laufe der Zeit immer wieder mit mir selbst beschäftigt und gefragt: Ist es mir wirklich so wichtig, lange Haare zu haben?“, gibt Riccardo zu. „Ohne sie würde die Gesellschaft mich ernster nehmen, schwules Dating wäre leich­ter. Ich hatte dazu schon so viele Gedanken, dass ich mich schon manchmal frage: Sind es nur Haare?“ Für ihn aber stehen seine Haare nach wie vor für den Entschluss, sich mehr zu lieben als die Meinung anderer.

„Wenn du ge­winnst, gewinnt auch deine Community. Wenn du aber scheiterst, scheitert auch diese”

Auf solch einen Entschluss folgt ein langer Prozess, denn sich von genau jenem äußerli­chen Feedback freizumachen gelingt nicht über Nacht, egal wie berühmt man ist. Beauty­ Testimonial oder selbsternannter Aktivist – Riccardo weiß, wie ambivalent seine Person wahrgenommen wird: „Am Ende des Tages ist es meine Aufgabe, unterhaltend zu sein. Wenn ich es schaffe, Menschen für nur fünf Minuten ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, ist das schon der größte Erfolg, den ich verbuchen kann.“ Wie für immer mehr Menschen im Rampenlicht bedingt Reichweite für ihn den­ noch die Pflicht, sich zu kritischen Themen zu äußern. Dabei für seinen Themenmix als „queere Nervensäge“ abgestempelt zu werden nimmt Riccardo gern in Kauf. „Für mich ist die Verantwortung kein Hindernis, weil ich weiß, dass sie nun mal da ist. Ich möchte mich ihr annehmen, weil ich früher alles dafür getan hätte, um jemanden in den Medien zu sehen, der sich für Dinge ausspricht, die mich be­schäftigen. Das heißt nicht, dass Diskriminie­rung in meinem Leben nicht mehr stattfinden würde. Ich finde es deshalb aber umso wich­tiger, dass man Chancen nutzt, um sich zu äu­ßern.“ Besonders im dünn besetzten Feld von facettenreichen Männlichkeitsbildern werde man dabei aber immer doppelt gemessen, so Simonetti – als Einzelperson und als Reprä­sentant einer ganzen Gruppe: „Wenn du ge­winnst, gewinnt auch deine Community. Wenn du aber scheiterst, scheitert auch diese.“


Natural Waves – Hitzeschutz-Spray „got2b Schutzengel“, Ansatz-Auffrischer „Taft Magic Volume“, Haarspray „Taft Wahres Volumen“, alles von Schwarzkopf; Pullover von Malene Ahlert


Natural Waves – Hitzeschutz-Spray „got2b Schutzengel“, Ansatz-Auffrischer „Taft Magic Volume“, Haarspray „Taft Wahres Volumen“, alles von Schwarzkopf; Mantel von Kenzo, Shirt & Shorts von Versace

Sleek Hair – Hitzeschutz-Spray „got2b Schutzengel“, Anti-Frizz-Lotion „got2b Schmusekatze“, Fixierungsbürste „Bye Bye Babyhaar“, Versiegelungsserum „Gliss Kur Anti-Spliss Wunder“, alles von Schwarzkopf, Mantel von Issey Miyake, Shirt von Salvatore Ferragamo, Hose & Stulpen von Jasmin Wottke, Hut von Versace

Dieses Statement gilt nicht nur für ihn selbst, sondern ist besonders auf Social Media lange schon Wahrheit für viele weitere Communitys. Gerade deshalb ist Riccardo dankbar für Freund*innen, die ihn in seinem Lernprozess mit der Realität anderer marginalisierter Grup­pen konfrontieren und seine Erfahrungen in Bezug zu denen jenseits der eigenen Privile­gien und Insta-­Feeds setzen. Vermutlich ent­schied er sich aus genau diesem Grund dazu, die Chance zur Äußerung ein weiteres Mal zu nutzen und eine Erfahrung aus dem weniger öffentlichen Raum zu teilen: Im Juli erzählt Riccardo in einem IGTV-­Video von einem Taxi­fahrer, der ihn während der Fahrt sexuell belästigte. Was folgt, sind Zuspruch, Dankbarkeit; Menschen, die ihre eigenen Geschichten mit Riccardo teilen – aber auch Hasskommentare und Vorwürfe, sein öffentliches Statement sei nur ein weiteres Haschen um Aufmerksamkeit, eine Lüge, er selbst sogar schuld daran. Riccardo aber wollte mit dem Video die Illu­sion nehmen, Menschen der Öffentlichkeit wären frei von solchen Übergriffen: „Es sollte normal sein, über traumatische Erlebnisse zu sprechen. Menschen, die es tun, sollten nicht als schwächer angesehen oder mit dem Vor­wurf konfrontiert werden, sie täten es für Auf­merksamkeit. Ich kann garantieren: Das ist keine Art von Aufmerksamkeit, die sich schön anfühlt, keine, die Geld einbringt. Man spricht oft erst über Probleme, wenn sie überstanden sind. Wenn ein Hollywood­-Star über mentale Gesundheit spricht, dann tut er oder sie das erst nach 15 Jahren Therapie und eventuell me­dikamentöser Einstellung – wenn man weiß, dass es gut ausgeht. Den Prozess, während man etwas durchmacht, beleuchtet eben fast niemand.“

Lindsay Lohan und Britney Spears dürfen nicht fehlen

Fast. Denn zu jenen, die ihren Prozess sehr wohl öffentlich – wenn auch nicht unbedingt frei­ willig – und ohne kuratiertes Auftreten durchge­macht haben, gehört nicht nur Riccardo selbst, sondern auch Lindsay Lohan oder Britney Spears, seine Idole. Ihr öffentlicher Leidens­weg und ihr Scheitern haben ihn inspiriert. In Riccardos Repertoire aus (pop-)kulturellen Referenzen und Spruchbildern dürfen sie ne­ ben Madonna oder „Titanic“ natürlich nicht fehlen. Heute sieht Riccardo aber selbst Lindsay und Britney kritischer, sagt er zum Abschluss. Er trennt die Teen­-Fantasie von ih­ren jetzigen (politischen) Aktivitäten und er­ kennt die egoistischen Gründe, aus denen er sie damals idealisierte. Denkt Riccardo Simo­netti aber zum Beispiel an Lindsay Lohan und ihr US­-amerikanisches NYLON-­Cover von 2007, denkt er auch wieder an den jungen Riccardo. Er denkt daran, wie diese Frau sei­nem jungen Ich Selbstbewusstsein gab. Aus diesem Grund würde er sie immer lieben, überlegt er. Und vermutlich würde Riccardo ihr das gern auch einmal persönlich sagen. Aber das ist das Thema für einen anderen Brief.

Wet Look – Gel „Taft Ultra Styling Gel“, Haarlack „got2b Sprühkleber“, alles von Schwarzkopf; Mantel von Bally, Shirt von Versace, Hose von Sheriff & Cherry, Hut von Dior

Sleek HairHitzeschutz-Spray „got2b Schutzengel“, Anti-Frizz-Lotion „got2b Schmusekatze“, Fixierungsbürste „Bye Bye Babyhaar“, Versiegelungsserum „Gliss Kur Anti-Spliss Wunder“, alles von Schwarzkopf, Mantel, Hemd & Hose von Marni

Fotos: Kapturing
Styling: Nina Petters
Haare & Make-up: Florian Ferino
Produktion: Jenny Weser
Set-Design: Toar Avni
Foto-Assistenz: Angela Simi
Styling-Assistenz: Margarete Geisler
Assistenz Haare & Make-up: Suhellen Ampuero Schmidt
Produktionsassistenz: Kristin Roloff

Bezahlte Partnerschaft mit Schwarzkopf.

 

Robin Micha
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