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Raf Simons: Die Welt der Drogen

Sucht und Mode treffen in Raf Simons neuer Menswear-Kollektion aufeinander.

Text: Hayden Manders // Fotos: Frazer Harrison/GettyImages

Für seine Menswear-Kollektion für den Herbst 2018 hat Raf Simons ein Letztes Abendmahl inszeniert. Zumindest, wenn das Letzte Abendmahl drogengeladen und von der Art Rave-Musik unterlegt ist, zu der die Berghain-Party-Crowd bis mittags feiert.

Simons nannte seine Kollektion „Youth In Motion“. Farbakzente in Orange, Blau und Gelb wurden mit Slogans wie „DRUGS“, „LSD“, „GHB“ und „XTC“ versehen. Wie Simons erklärte, war das seine Art, unsere Suchtkultur zu kommentieren. Er verdeutlichte seine Message, indem er Motive aus „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (einem seiner Lieblingsfilme) druckte: Das ausgemergelte Gesicht der drogenabhängigen Christiane F. blickte von mehreren Pullovern und Shirts. Auf anderen Stücken der Kollektion spielten Patches auf die psychedelische Droge 2C-B an, während wachsartige Handschuhe die Unterarme der Models bedeckten.

In den Anmerkungen zur Show war zu lesen: „Letztlich will ‚Youth In Motion’ die Kultur(ren) der Drogen weder glorifizieren noch dulden. Simons möchte vielmehr auf die bleibende, fast allgegenwärtige Präsenz von Betäubungsmitteln (verschriebene oder andere) in unserer Gesellschaft hinweisen – und unsere oft widersprüchliche Einstellung zu ihnen anerkennen; sodass ein differenzierterer Dialog möglich wird, rund um die Auswirkungen für eine Gesellschaft, in der Sucht und die Gründe für Sucht weitestgehend Tabu-Themen bleiben, mit – wie sowohl Christiane F. als auch die aktuelle Opiat-Krise zeigen – menschlichen Konsequenzen, über die oft nicht gesprochen wird.“

Es ist eine erschreckende Kollektion, die uns den Knotenpunkt, an dem sie liegt, hinterfragen lässt: Konsumdenken und Drogenkultur. Dass die Kollektion Drogen weder billigt noch glorifiziert, ist auch interessant. Ist es glamourös, ein T-Shirt zu tragen, auf welches das Gesicht eines drogenabhängigen Teenies gedruckt ist? Unterstützt das den Drogenkonsum oder ist es möglich, das T-Shirt als reines Kleidungsstück anzusehen – nur Eitelkeit, sonst nichts? Ich bin mir nicht sicher, aber definitiv weiß ich die Debatte zu schätzen, die Simons in Gang gesetzt hat. Schließlich ist es das, was Mode tun sollte: der heutigen Kultur einen Spiegel vorhalten und uns auffordern, diese großen Fragen zu stellen und über Antworten nachzudenken.

Anna Weilberg
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