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Hat Avril Lavigne echt den Hip-Hop-Style beeinflusst?

Diese Verbindung hättet ihr vielleicht nicht erwartet: Avril Lavigne soll Einfluss auf den Hip Hop Style von Lil Uzi Vert und Co. gehabt haben. Und wie? Lest ihr hier.

Text: Tasbeeh Herwees

Im Mai 2017 hat der Twitter-Nutzer @wongkarswai (das Konto wurde inzwischen gelöscht) einen Tweet gepostet, der sofort viral ging: „Avril lavigne ist tot und wurde durch lil uzi vert ersetzt.“ Dem Tweet waren zwei Fotos angefügt. Eines zeigte Lavigne auf dem Höhepunkt ihrer Karriere: Ihr blondes Haar war sowohl Rosa als auch Grün gefärbt; sie trug ein gestreiftes Shirt. Das andere zeigte Lil Uzi Vert in einem ähnlich gestreiften Shirt, mit breit ausgeschnittenem Kragen, der seine Schultern zeigt, und einer rosa Handtasche am Arm. Bevor er gelöscht wurde, hatte der Tweet fast 80.000 Retweets und 190.000 Faves.

Es gibt viele Gründe, warum der Tweet viral ging – er spielte zum Beispiel auf den nach wie vor anhaltenden Internet-Mythos an, dass Lavigne vor Jahren starb und durch eine Doppelgängerin ersetzt wurde. Und es ist tatsächlich schwierig, die Ähnlichkeit der Styles zu leugnen. Mehr als 15 Jahre nach ihrer Veröffentlichung von „Let Go“, Lavignes Debütalbum, das sie zum Teenager-Star machte, bleibt ihr unverwechselbarer Stil deutllich erkennbar. Für eine bestimmte Generation ist er einfach untrennbar mit ihr verbunden: die rosa-schwarze Farbkombination, der gefärbte Silberschmuck und die gefärbten Haare.

Wir wissen nicht, ob Lil Uzi Vert ein Lavigne-Fan ist, oder ob er sich wirklich von ihrem früheren Look inspirieren ließ. (Der Rapper hat auf Nachfragen nicht geantwortet, aber für eine DM bin ich jederzeit bereit.) Aber wenn er sich Inspiration bei Avril gesucht hat, wäre er nicht der erste Rapper, der das tun würde. Es gibt Spuren von Lavignes Einfluss, die über zeitgenössischen Rap und Hip-Hop verstreut sind, einige davon offensichtlicher als andere. Das ehemalige G-Unit-Mitglied Lloyd Banks erwähnt sie in seinem wütenden Track „It’s Okay (Born Alone, Die Alone)“, in dem er rappt, „I’m TRL next to Avril Lavigne, all my karats are green/ The Buddha is purple, be rude and I hurt you“. Vic Mensa, der sich bereits an der Skater- und Punk-Kultur versucht hat, rappt in „Almost There“ an und singt: „I’m still a skater boy, I’m flippin‘ out like Avril Lavigne/ I tweak on every little thing, that’s why it took me so long.“ Der kalifornische Rapper Nipsey Hussle nutzte in seinem „The Marathon“-Track „Dreamin“ eine Lavigne-Referenz, um seinen Aufstieg zum Fame zu erklären: „Most of the n***as from back then in penitentiaries/ And now they see me on they TV like, „How can it be?“/ It’s complicated how I made it like Avril Lavigne.”

Es ist schwierig, irgendeine eine andere Pop-Punk-Prinzessin unter Rappern und Hip-Hop-Künstlern zu finden. Und es macht Sinn. Für eine bestimmte Generation war Lavigne einer der größten Popstars. „Let Go“ war eines der fünf meistverkauften Debüts des Jahres 2002 und blieb zwei Jahre lang in den Billboard-Charts („Under My Skin“, der Album-Nachfolger, war in den folgenden zwei Jahren dabei). 2007, nachdem Lavigne den Song „Girlfriend“ veröffentlicht hatte, steuerte Rapperin Lil Mama einen Part zu einem wilden Remix des Tracks bei. Das Genre-Crossover-Potential war so hoch, dass es Gerüchte gab, laut denen eine Zusammenarbeit mit Lil Wayne in Planung war (später von Lavignes Labelvertretern als falsch gemeldet).

„[Avril] war so ein großer Popstar, und sie war die Art von Popstar, die das zusätzliche Image hatte, ‚edgy‘ zu sein. Ich denke, dass viele der Hip-Hop-Community dieses Image mit [Punk] Musik assoziieren“, sagt Rapper Fat Tony.

Es gibt auch, so Fat Tony, Ähnlichkeiten zwischen den beiden Genres: Die amerikanische Punk-Musikbewegung wurde in den 60er und 70er Jahren in New York City größer, fast zur gleichen Zeit und an demselben Ort, an dem Hip-Hop-Musik an Popularität gewann (dieser kam aber vor allem in den 80er Jahren weiter auf). Beide haben Do-it-yourself-Wurzeln – das einzige Hindernis, um gute Hip-Hop- oder Punk-Musik zu machen, ist Talent, keines der Genres verlangt großen finanziellen Wohlstand, um mitzuspielen. Als Künstlerin, die Popmusik machte, bot Lavigne einen zugänglichen Zugang zur Punk-Musik und Skater-Kultur für Kids, die zum Beispiel nicht mit den Ramones aufgewachsen sind.

„Wenn du Teil der Hip-Hop-Community bist und mit Skatern und Punk- und Popmusik vertraut bist, aber nicht viel über alle drei weißt, dann hat Avril ein tolles visuelles Ohrwurm-Paket geliefert, das sie alle beschreibt“, sagt Fat Tony. „Wenn du also in der Hip-Hop-Community oder in der Hood warst und dich mit einem Skateboard oder einem Punk anlegt, war Avril Lavigne der Schlüssel dazu.“

Für eine neue Generation junger Rapper bleibt Lavigne die gleiche Eintrittsquelle. Bali Baby, eine 21-jährige Rapperin und Popkünstlerin aus Atlanta, erklärte The Fader, ihr Musikvideo für „Backseat“ sei wie „wenn der Disney Channel Avril Lavigne 2001 eine eigene Serie gegeben hätte“.  John River, ein 22-jähriger kanadischer MC, sagte, dass das erste Album, das er je gekauft habe, eine LP von Avril Lavigne war. Die Künstlerin Noname aus Chicago sagte, es gab eine Zeit, in der sie „nichts als Avril Lavigne“ hörte.

„Sie ist eine perfekte Darstellung von hart und weich“, sagt DMV-Rapperin Rico Nasty und erklärt, warum sie eines ihrer Alter Egos, Trap Lavigne, nach Avril benannt hat. „Sie hasste den Begriff Punk. Aber sie war sooooo PUNK-Rock. Ich meine, sie war eine der ersten Rebellen, die ich aufwachsen sah. Sie hat mich dazu gebracht, ich selbst zu sein. Denn das ist es, was sie war. Ohne sie hätte ich kein Board in die Hand genommen.“

Wenn sich der Vergleich zwischen Avril Lavigne und Lil Uzi Vert unwahrscheinlich anfühlt, sollte es das vielleicht gar nicht sein. Lil Uzi Vert ist 23 Jahre alt und sicherlich alt genug, um etwas von Avril Lavigne gesehen zu haben, als sie noch wirklich angesagt war. Sowohl Lil Uzi Vert als auch Avril Lavigne sind dafür bekannt, Musik zu machen, die vollgestopft mit launischer Reflektionsgedanken und existenzieller Angst ist. Wie Lil Uzis Musik bot Lavigne ihren jungen Zuhörern die Möglichkeit, nicht nur in ihrer Traurigkeit zu versinken, sondern sie der Welt zu verkünden.

Vor kurzem enthüllte Princess Nokia, die in ihrem Debütalbum „1992“ Avrils Song „Sk8er Boi“ erwähnte, das Cover ihres Nachfolgealbums „A Girl Cried Red“, auf dem sie ein Slipknot-T-Shirt, silbernen Nietenschmuck und ein schwarz/rot gestreiftes Hemd trägt, das dem von Lil Uzi und Lavigne sehr ähnlich sieht. Also: Can I make it anymore obvious?

Robin Micha
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