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Wie man als Erwachsener Freunde findet und behält

Denn ganz ehrlich? Es ist eine ziemlich schwierige Sache…

Text: Hayden Manders // Foto: Getty Images

Die Zeit ist gekommen, um das Unvermeidliche zu akzeptieren: Ihr werdet erwachsen. Genießt es! Erwachsenwerden kann beängstigend sein, aber nicht, wenn ihr so lässige und coole Ratgeber habt wie die aus unserer neuen „Adultify“-Serie. Jetzt müsst ihr nicht mehr diesen peinlichen Begriff „Adulting” verwenden, wenn ihr etwas bewerkstelligt habt (wie zum Beispiel eure Wäsche – ihr wisst schon: grundlegende, verantwortungsvolle Erwachsenenaktivitäten). Einfach weil ihr wisst, dass sich die Wahrheiten aus unserer Serie von selbst verstehen.

Wenn du 30 bist, kannst du deine wahren Freunde an einer Hand abzählen. Und wenn du Glück hast, sind es zwei. Das zumindest sagte mir die Mutter einer meiner besten Freundinnen während meiner College-Zeit. Die Zeit also, in der jeder, den man trifft, ein potentielles Etwas ist: Freund, Feind, Liebhaber. Heute, wo ein „Freund” nur einen Klick oder ein Tippen entfernt ist, hat sich unsere Definition eines echten Freunds verschoben. Es gibt Party-Freunde, Job-Freunde, Internet-Freunde und beste Freunde. Eine kürzlich im US-Journal „PLoS One“ veröffentlichte Studie argumentiert, dass die Hälfte der Menschen, die wir als beste Freunde bezeichnen, es in Wirklichkeit gar nicht sind. Eine weitere Studie des amerikanischen „General Social Survey“ kommt zum Schluss, dass die Zahl der Amerikaner, die überhaupt keine Vertraute in ihrem Leben haben, sich in den letzten Jahrzehnten verdreifacht habe. Was für eine Ironie: Eine Isolation, die sich aus unserer hyperverbundenen Gesellschaft ergibt.

„Im Zeitalter sozialer Medien”, erzählt uns Andrea Bonior, Ph.D. und Autorin des Buchs „The Friendship Fix“, „könnten wir uns so fühlen, als seien wir miteinander verbunden und unsere Leben erfüllt, obwohl wir insgeheim einsam sind.” Vor allem Männer fühlen das Gewicht eines schwachen, unemotionalen sozialen Netzwerks, auch wenn sie es niemals zugeben würden. Durch eine Umfrage der „Movember Foundation“ stellte das britische Meinungsforschungsinstitut YouGov fest, dass 12 Prozent der Männer über 18 nicht einen engen Freund haben, mit dem sie ihre Unsicherheiten teilen könnten. Geht es nach Irene S. Levine, Ph.D., Psychologin und Professorin für Psychiatrie an der New York University School of Medicine, teilen Frauen dagegen eher „Intimitäten und Emotionen mit Freunden als Männer.” Dies mag nicht unbedingt zu besten Freundschaften führen. Durchaus aber zur Freisetzung von Gefühlen, die gesundheitliche Vorteile auf mentaler und körperlicher Ebene bewirken können – wie etwa eine längere Lebensdauer.

Aber wer hat dafür die Zeit? Freundschaften sind immer auch Arbeit. Jodyne L. Speyer, Autorin von „Dump ‘Em: How to Break Up with Anyone from Your Best Friend to Your Hairdresser“ ist der Meinung, es sei schwieriger geworden, Zeit für Freunde zu finden, da wir mit Zeit und Alter „Partner haben, eine Familie gründen, umziehen [und] einen Vollzeit-Job bekommen.” So sehr uns auch die Vorstellung gefällt, dass wir mit jedem neuen Jahr aus unseren Unsicherheiten und Selbstwertproblemen herauswachsen: Das ist einfach nicht der Fall. „Wenn wir älter werden”, sagt Irene S. Levine, „sind wir eher gehemmt.” Viele würden „fälschlicherweise denken, dass alle schon ihre Freunde haben”, ergänzt sie und mahnt, dass dieses nicht weiter von der eigentlichen Wahrheit entfernt sein könne.

Also, wie bekämpfen wir diese Angst vor Ablehnung? Und wie schlucken wir die bittere Pille, dass wir vielleicht nicht mehr so viele Freunde haben wie einst, aber dass die, die wir haben, verdammt gut sind und wert, Arbeit in sie zu investieren? Ganz einfach. Seid mutig und beachtet die folgenden sechs Schritte. Vielleicht könnt ihr eure Besties nur an einer Hand abzählen. Aber das bedeutet doch nur, dass eure andere Hand frei ist. Für High-Fives. Fürs Winken. Oder um sie jemand anderem zur Begrüßung zu reichen.

Sucht euch ein Hobby

„Freundschaften entwickeln sich mühelos, wenn die Leute gemeinsame Interessen haben, sich regelmäßig sehen und so langsam von Bekannten zu Freunden werden“, erklärt Irene S. Levine. Etwas zu finden, was einen glücklich macht, ist wichtig für das allgemeine Wohlgefühl. Und in den meisten Fällen seid ihr mit euren Interessen nicht allein. „Suchen Sie sich Aktivitäten, die Ihnen Spaß machen“, rät Andrea Bonior. „Selbst wenn Sie nicht sofort Freundschaften schließen, bleiben Sie zumindest mit der Welt in Kontakt.“

Entwickelt ein Gemeinschaftsgefühl

Andrea Bonior betont, dass Menschen „als Erwachsene nicht so viele natürlich vorkommende Gemeinschaften haben“. Aber aus euren Hobbies wird eine Gemeinschaft von Individuen mit ähnlichen Interessen entstehen. Womöglich habt ihr mehr mit euren Ski-Club-Kumpels gemeinsam als ihr denkt. Vielleicht gibt es eine Tradition, die ihr ins Leben rufen könnt – zum Beispiel sich jeden Sonntag in einem bestimmten Restaurant zu treffen. Jodyne L. Speyer habe dies geholfen, mit ihren Freunden während und nach dem College eng in Kontakt zu bleiben, sagt sie (denkt nur an die Mädels aus Sex and the City!).

Seid mutig und macht den ersten Schritt

Als wir klein waren, fiel es uns leicht, zu einem Kind auf dem Spielplatz zu gehen und es zu fragen, ob es mit uns spielen will. Wir waren zu klein, um Angst vor Ablehnung zu haben. Wenn wir jetzt als Erwachsene jemanden fragen, ob er sich mit uns treffen möchte, wird schnell die hinterhältige Stimme in unserem Kopf laut, ob das ein Date ist oder etwas Platonisches. „Die Situation kann sehr peinlich und verwirrend sein, da viele nicht wissen, wie sie von unverbindlichem Small Talk aus eine wirkliche Freundschaft entwickeln sollen“, präzisiert Andrea Bonior. Sich zu viele Sorgen zu machen, verringert jedoch nur die Chancen jemanden kennenzulernen, an dem ihr wirklich interessiert seid. „Was haben Sie zu verlieren?“ fragt Jodyne L. Speyer. „Ich sage es Ihnen: Einen potenziellen besten Freund!“ Wenn es eure Zeit zulässt, seid aufmerksam und hört zu. „Wenn aus einer Bekannten eine Freundin werden soll, greift Themen auf, über die ihr bereits gesprochen habt. Stellt Fragen und werdet persönlicher. Es scheint selbstverständlich, aber wird häufig übersehen“, ergänzt Bonior.

Vergewissert euch, dass euer Interesse auf Gegenseitigkeit beruht  

Sowohl Jodyne L. Speyer als auch Irene S. Levine betonen: Wenn ihr nur annehmt, dass eure neuen Freunde zu beschäftigt sind, um sich mit euch zu treffen, wird das euren angehenden Freundschaften mehr schaden als gut tun. „Das sollen sie Ihnen selbst sagen“, sagt Speyer. „Das gleiche gilt für alte Freunde.“ Alle Freundschaften erfordern Einsatz von beiden Seiten. Es ist äußerst wichtig, dass ihr beide auf einer Wellenlänge seid. „Die Freundschaft muss nicht zu jedem Zeitpunkt und in jeder Angelegenheit gleich sein“, ergänzt Levine, „aber sie sollte für beide Seiten zufriedenstellend sein.“ Seid also am besten ihr selbst, denn so könnt ihr Vertrauen aufbauen und einen sicheren Ort schaffen, um eure Geschichten zu teilen. Irene S. Levine fügt hinzu, Kommunikation helfe, um Missverständnissen vorzubeugen: „Wenn jemand Sie zurückweist, nehmen Sie es nicht persönlich. Vielleicht hat derjenige gerade einfach nicht die Zeit für neue Freunde.“

Nehmt euch Zeit

Das ist vielleicht der schwierigste Part im Erwachsenenalter: Das Leben und all seine Verantwortlichkeiten stehen Freundschaften häufig im Weg. „Vielleicht fühlen wir uns schuldig, wenn wir soziale Zeit verbringen, anstatt uns um unsere Familie oder unseren Beruf zu kümmern“, sagt Andrea Bonior. Wieder Andere haben einfach nicht die Zeit. Ganz ehrlich? Unsere Tage haben alle dieselben 24 Stunden. Mit etwas Aufwand können wir ein klein wenig davon abzwacken, um einen anderen Menschen kennenzulernen. Jodyne L. Speyer rät, nicht zu viel Zeit zwischen einzelnen Treffen verstreichen zu lassen und ergänzt, dass schon die kleinste Geste – etwa das Liken eines Facebook-Status – die zarte Freundschaftsflamme am Leben halten kann. „Die Technologie bietet uns so viele Möglichkeiten, um miteinander in Kontakt zu bleiben“, sagt sie. „Nutzen Sie eine davon.“

Kommunikation ist Trumpf      

Wie könnt ihr jemanden kennenlernen, wenn ihr keinen Dialog mit ihm führt? Miteinander sprechen hilft, Missverständnisse zu vermeiden. Jodyne L. Speyer empfiehlt, einen festen Termin auszumachen, zu dem man sich austauscht – sei es über Skype, übers Telefon oder sonst etwas. „Eine Verabredung zu haben, nimmt Sie in die Pflicht“, sagt sie. Und fügt hinzu, dass bereits ein kleiner Text, in dem ihr eure Freunde wissen lasst, dass ihr an sie denkt, große Wirkung entfalten kann. „Kleine Dinge helfen uns, miteinander in Kontakt zu bleiben, ohne einen großen Batzen Zeit zu verlieren.“

Robin Micha
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