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„Period(e)”: Darum gewinnt ein Menstruationsfilm bei den Oscars 2019

Es war ein besonderer Gewinn: „Period. End Of Sentence” aus Indien gewinnt bei den Oscars 2019 als „Bester Dokumentar-Kurzfilm”. Das überrascht nicht nur im Publikum, sondern auch das Team hinter dem Menstruationsfilm. Was dahinter steckt.

Text: Robin Micha/Bailey Calfee

Junge Mädchen lachen und schicken einander vor. Jungs sitzen mit fragenden Gesichtern da und sagen nichts. Eine alte Dame antwortet „Das ist etwas, über das nur Gott Bescheid weiß”. Es geht um die Periode. Genauer gesagt um das Stigma und Tabu der Periode im ländlichen Indien. Und um den Kenntnisstand zu diesem Thema. Der Trailer zu „Period. End of Sentence” zeigt: Eigentlich gibt es keinen. Die 25-minütige Menstruationsfilm will das ändern – und hat dafür einen Oscar gewonnen.

Den Namen „Pads” hätte sie noch nie gehört, lacht ein junges Mädchen ebenfalls im Trailer. Dass sie damit nicht allein ist, verdeutlicht die Doku von Regisseurin Rayka Zehtabchi und Produzentin Melissa Berton. „Period” (in der deutschen Version „Stigma Monatsblutung”) wurde von der Organisation „The Pad Project” geschaffen. Der Verband arbeitet daran, Mädchen und Frauen mit geringem bis keinem Zugang zu sanitären Menstruationsprodukten einen solchen zu verschaffen.

Durch neue Maschinen: Unabhängigkeit und Hygiene in einem

Der Menstruationsfilm (gibt’s auf Netflix) begleitet eine Gruppe von Frauen in einem ländlich gelegenen Dorf dabei, wie sie den hygienischen Status in ihrem Umfeld durch die günstige Produktion von Slipeinlagen verbessern wollen. Dadurch fördern sie aber nicht nur die Verbreitung der Hygieneprodukte, sondern schaffen auch finanzielle Unabhängigkeit für sich selbst. Vor allem fokussiert sich der Film aber auf die frauenfeindliche Tabuisierung der Periode im nach wie vor Männer-dominierten Indien: Über das Thema wird nicht gesprochen, Männer halten Menstruation für eine Krankheit, Jungs verwechseln das Wort „period” mit dem Synonym für Punkt oder Unterrichtsstunde.

Warum dieser Gewinn wichtig ist

Und weil Menstruation gerade auf Männerseite auch bei uns ein nicht Tabu-befreites Thema ist, bleibt es wichtig, dass die Academy diesem Menstruationsfilm seinen verdienten Oscar verliehen hat. Gerade weil eine von Hollywood definierte Institution wie die Academy ebenfalls noch immer unter männlicher Prägung steht. Und weil die Oscar-Verleihung damit zumindest in kleinem Rahmen ihre Aufmerksamkeit für wichtige gesellschaftliche Themen nutzt, wie Julian Dörr von der Süddeutschen Zeitung schreibt. Schließlich sprechen wir  beim „Besten Dokumentar-Kurzfilm” noch von einer sonst kaum besprochenen Kategorie. Regisseurin Rakya Zehtabchi kann es daher selbst kaum glauben, wie sie in ihrer Dankesrede sagt: „Ich kann nicht fassen, dass ein Film über Menstruation einen Oscar gewonnen hat”. Wichtig ist, dass er es getan hat. Oder, wie Produzentin Burton es mit einem Wortspiel, das nur im Englischen funktioniert, sagt: „A period [auch engl. Wort für „Punkt”] should end a sentence, not a girl’s education”.

Robin Micha
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