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Model To Watch: Jazzelle a.ka. Uglyworldwide

Abrasierte Brauen, ultrakurze Haare, funkelnde Grillz und dazu eine Badass-Attitude vom –Feinsten: Jazzelle Zanaughtti aka @uglyworldwide definiert angestaubte Schönheitsideale in
der Model-Branche neu – und das mit Erfolg.

Fotos: Marlen Stahlhuth / Styling: Olive Duran


Top von Hardeman, Boxershorts von Sadak

Als Jazzelle Zanaughtti im Mai 2015 ihr erstes Selfie auf Instagram hochlud, konnte noch keiner ahnen, dass sie mal zu den wildesten Models gehören würde, die das Fashion-Business derzeit zu bieten hat. Ihr Look damals: schwarze, dünn geflochtene Braids, kaum Make-up. Die Caption dazu: ein lächelnder Smiley mit einem Heiligenschein auf dem Kopf. Mehr als drei Jahre später ist Jazzelle als „Uglyworldwide“ bekannt – und der Name spiegelt nicht nur ihr besonderes Aussehen, sondern auch ihre Einstellung zu sich und ihrer Umwelt wider.

Der persönliche Britney-Moment

Mit blonden, ultrakurzen Haaren, abrasierten Brauen und funkelnden Grillz auf den Zähnen bricht die 22-Jährige mit gängigen Schönheitsidealen und sorgt zwischen Namen wie Kendall oder Kaia für wohltuende Abwechslung in der Model-Branche. Ihr Style steht für Diversität und eine Neuordnung von Geschlechterrollen – doch wer jetzt denkt, dass dahinter der ausgeklügelte Plan einer Modelagentur steckt, liegt falsch: Jazzelle selbst entschied sich vor zwei Jahren aus einer Krise heraus für ihre optische Neuerfindung. „Ich hatte den Tiefpunkt meines Lebens erreicht und musste ganz neu anfangen. Also habe ich mir meine Haare abgeschoren. Als meine Mitbewohnerin dann ihren Ansatz bleichte, sagte ich mir: ,Fuck it, das mache ich jetzt auch noch!‘“ Es war ihr persönlicher Britney-Moment – und so ähnlich lautete dann auch die Bildunterschrift zu Jazzelles erstem Instagram-Post mit Stoppelfrisur. Das Foto dazu kassierte bis heute fast 5.000 Likes – der wegweisendste davon stammt von dem bekannten britischen Fashion-Fotografen Nick Knight, der zu ihrem Fan wurde und sie wenig später nach London einlud. „Mein erstes richtiges High Fashion Shooting! Und auch wenn ich mir nicht sicher war, ob ich in die Modebranche wollte, habe ich mir gesagt: ‚Wenn Nick an mich glaubt, dann muss ich es zumindest versuchen.‘“

Mittlerweile hat Jazzelle eine halbe Million Follower auf Instagram, zierte erst kürzlich das Cover der „i-D“, modelt unter anderem für Rihannas Lingerie-Label Savage by Fenty und nutzt ihren Fame, um anderen Mut zu machen. „Verliebe dich in dich selbst und die Schönheit kommt von ganz allein: Das ist meine Botschaft an die Welt da draußen.“


Bodysuit von Savage x Fenty, Hose von Hardeman

Freiheit durch Make-Up

Weise Worte, doch ihr eigenes Selbstwertgefühl musste  sich Jazzelle hart erkämpfen. Von ihren Mitschülern in ihrer Heimat Detroit wegen ihrer dünnen Beine und der krausen Haare gehänselt, war sie lange Zeit eine Außenseiterin. Erst als sie in der siebten Klasse Make-up für sich entdeckte und schichtweise Mascara, Puder und Lidschatten auftrug, fühlte Jazzelle so etwas wie Freiheit. „Die Mehrheit in meiner Klasse dachte, ich wäre ein fucking Weirdo. Aber es gab auch einen kleinen Prozentsatz, der mich ziemlich cool fand – shout-outs to them!“ Klingt erst mal nach einer witzigen Teenager-Anekdote – in Wahrheit litt Jazzelle nicht nur unter dem Mobbing ihrer Mitschüler, sondern auch unter Depressionen. „Ich könnte ein Buch über die Scheiße schreiben, die ich durchmachen musste“, sagt sie. Irgendwann war es Jazzelle nicht mehr wichtig, wie andere sie wahrnahmen, und sie kümmerte sich nur noch um sich selbst.

Dazu gehörte auch der Entschluss, zwei Wochen nach ihrem Schulabschluss nach Chicago zu ziehen. Dort lernte sie die queere Szene kennen und fing mit Drag an, was ihren heutigen Stil und ihre Identität maßgeblich beeinflusste. „Ich sehe mich weder als Mann noch als Frau, sondern als multidimensionales Wesen, das aus jedem Bereich seiner Persönlichkeit Kraft schöpft.“

Ihre Power kann sie auch im Model-Business gebrauchen: Weil Jazzelle trotz ihrer ethnischen Abstammung (ihre Mutter ist Afroamerikanerin, ihr Vater US-Amerikaner) sehr hell ist, muss sie sich oft schräge Sprüche anhören – aber das macht sie am Ende nur noch stärker. „Heute sehe ich auf Fotos kein verängstigtes Mädchen mehr, sondern Jazzelle – eine starke, unabhängige, intelligente, fabelhafte Queen.“ Wir auch.


Shirt und Hose von Maison The Faux
Nylon
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