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Sängerin Santigold: „Niemand überprüft mehr Fakten“

1818Nach dem Release ihres neuen Mixtape „I Don’t Want: The Gold Fire Sessions“ spricht die Sängerin Santigold mit uns über ihren Umzug nach L.A., kulturelle Aneignung und warum man ihrer Wikipedia-Seite niemals trauen sollte.

Text: Sandra Song // Titelbild: Instagram @santigold 

Ein von @santigold geteilter Beitrag am

Santigold war schon immer diejenige, die sich Kategorisierung widersetzt hat – und ihr jüngstes Album „I Don’t Want: The Gold Fire Sessions“ bildet da keine Ausnahme.

Das Mixtape wurde schon letzten Monat veröffentlicht und war das Ergebnis einer Reihe von Sessions mit Mixpak Records Chef Dre Skull. Durch eine gemeinsame Liebe zur afro-karibischen Musik verbunden, begannen die beiden an einer Reihe von Tracks zu arbeiten, die von diesen Klängen inspiriert waren. Dieser Prozess verlief so natürlich, dass aus dem Mixtape-Projekt bald ein 10-Track-Liebesbrief an die Tanzkulturen wurde, die zu einem prägenden Teil von Santigolds künstlerischer Identität geworden sind.

Die Sängerin stellte jedoch schnell fest, dass das Projekt immer noch den lockeren, spontanen Geist eines Mixtapes innehat und dass es keine einfache Möglichkeit gibt, ihren Sound zu definieren. Und neben einer neu entdeckten, unbändigen Energie, die sie weiterhin kreativ antreibt, ist nicht abzusehen, wohin sie von hier aus gehen wird.

Erzähl doch mal vom Aufnahmeprozess. Inwiefern unterscheidet sich diese Arbeit von früheren Versionen?
Es war total spontan. Es war locker. Das ist normalerweise nicht so für mich. Ich sitze definitiv gerne eine Weile an Projekten dran…. Aber nicht bei diesem. Meine Intuition war es, das Album einfach „auszuspucken“. Trotzdem war es eine Herausforderung, es einfach so loszulasssen. Aber das war der Plan, und das haben wir getan. Es endete damit, dass es wirklich Spaß gemacht, und es lief darauf hinaus, dass es dieses Projekt war, bei dem ich endlich ein paar Songs beenden konnte, die ich schon in der Pipeline hatte…. Da war zum Beispiel ein Song, den ich mit Diplo angefangen habe und der seinen Platz auf dieser Platte gefunden hat.

Wie war es für dich als jemand, der ziemlich vorsichtig mit dem ist, was veröffentlicht wird, einfach alles direkt zu droppen? Ich kann mir vorstellen, dass das ganz schön nervenaufreibend war.
Am Ende kam ich immer an den Punkt, an dem ich sagte „Es ist noch nicht fertig!“ –  Aber dann habe ich mir gedacht: „Scheiß drauf.“ Ich hatte Zwillinge bekommen und sie waren gerade vier Monate alt geworden. Und ich sagte: „Schau, das Projekt sollte eigentlich leicht und lustig sein…. genau wie der Punkt in dem, an dem du gerade bist.“

Die Möglichkeit zu schaffen ist wie…. Ich fühle mich, als ob ich mir jedes Mal, wenn ich aus dem Haus gehe, eine „geliehene Auszeit“ nehme. Nicht vom Tod, sondern davon, eine Mutter zu sein. So habe ich festgestellt, dass ich wirklich schnell und effizienter arbeite als in der Vergangenheit. Ich war die letzten Wochen im Studio, nur damit ich raus kann. Ich komme buchstäblich rein und wir machen gerade mal vierstündige Sitzungen – von sowas habe ich noch nie gehört. Normalerweise dauern meine Sessions den ganzen Tag.

Wir sind aber an einem Punkt angelangt, an dem wir sagen: „Lass es uns nicht übertreiben.“ Und dann gehen wir. Ich sage nicht, dass das das Ende des Prozesses ist, denn manchmal dauert das Schreiben oder die Produktion danach sehr lange. Trotzdem geht es nicht immer so schnell, und es ist nicht immer so leicht und einfach. Aber ich denke, die Kreation ist mein meditativer Moment – was mir hilft, jetzt durchzukommen. Als frisch gebackene Mutter ist es eine erstaunliche Möglichkeit, gleich wieder durchstarten zu können.

Ich bin nur erstaunt, wie du es geschafft hast, genug Energie zu haben, um (a) auf deine Kinder aufzupassen und (b) buchstäblich ein 10-Track-Release zu produzieren.
Ich habe innerhalb von 10 Minuten einen Haufen Zeug für diese Platte aufgenommen – es ist verrückt. Ich lerne, dass auch das nun zu meiner Persönlichkeit gehört, weil ich vor einem Jahr nach L.A. gezogen bin. Aber ich bin umgezogen, weil New York zu schnell ist. Ich liebe New York und seine Schnelligkeit, aber trotzdem bewegt sich das Leben dort zu schnell. Ich möchte in der Lage sein, meinen Lifestyle zu verlangsamen und Dinge zu genießen, die nicht genossen werden.

Dann kam ich nach L.A., und es ist wie…. Ich weiß nicht, wie man langsamer wird. Ich versuche es herauszufinden, weil ich immer mehr mache.

Es gab eine Menge Diskussion um diese Veröffentlichung. Zum Beispiel die Tatsache, dass es ein „Dancehall-Album“ genannt wurde. Was hältst du von diesem Thema und dieser besonderen Kennzeichnung deiner Arbeit?
Es ist lustig, denn die Hauptperson, mit der ich darüber gesprochen habe, war Dre, und am Anfang dachten wir uns: „Was? Wir haben das nie so genannt, also Dancehall-Mixtape.“

Aber wir haben nur darüber gelacht, wie die Presse ihr eigenes Ding macht. Die Presse ist eine eigene Maschine. Es ist so, man sagt eine Sache, und die Leute schlagen einfach schnell etwas drauf und merken nicht, dass es eine große Veränderung ist…. Heutzutage, mit dem Internet, nimmt man einfach ein paar Dinge auf, und das wird das, was es ist. Also dachten wir uns: „Oh, anscheinend haben wir ein Dancehall-Mixtape gemacht.“

Wir haben natürlich so viel Respekt vor jeder Art von jamaikanischer, karibischer und afrikanischer Musik. Aber wir sind so[im Einklang mit] den Unterschieden in all dem Zeug, dass wir sagen: „Wir wissen, dass wir nicht nur ein Dancehall-Mixtape gemacht haben.“ Es ist Dancehall-inspiriert, also gibt es ein paar Dancehall-Songs auf der Platte…. Aber ehrlich gesagt, sind wir beide schon lange im Business. Es ist uns scheißegal, was die Leute sagen.

Wir stimmen aber sogar mit Teilen von dem überein, was die Leute sagen. Einiges davon ist richtig, aber ich verstehe, wie Menschen frustriert sein können. Leute, die die Musik kennen und lieben…. es ist irgendwie ärgerlich, wenn sie in die Mainstream-Kultur kommt, und jeder das Zeug falsch einordnet.

An dem Punkt muss ich manchmal sogar online nach meinen Texten suchen, weil ich mich nicht mehr an sie erinnere. Wenn ich sie dann im Internet finde, ist es so ein Witz. Viele haben so viele Fehler und das ist super frustrierend.

Du solltest wirklich einen offiziellen Account bei der Lyrics-Website Genius eröffnen.
Ich habe sie so oft kontaktiert und versucht, ihnen den richtigen Text zu geben! Alle richtigen Texte waren schon immer in meinen aktuellen Plattenveröffentlichungen dabei, also ist es nicht so, als ob sie nicht verfügbar wären. Es ist nur so, dass niemand mehr die Fakten überprüft. Niemand, niemals.

Diese ganze Kultur ist beängstigend. Vor kurzem war jemand online wütend auf mich und sagte, es gäbe keine Möglichkeit, dass ich mexikanisch-amerikanisch sein könnte – von Wegen meine Haut wäre zu dunkel und all das Zeug. Aber ich sagte: „Ich bin keine Mexikanerin.“ Es war auf so vielen verschiedenen Ebenen verrückt. Aber anscheinend schrieb jemand in meinen Wikipedia-Artikel, dass ich mexikanisch-amerikanisch sei, und dieser Fact „lebte“ dort lange Zeit, ohne dass es jemand bemerkte…. Aber Tatsache ist, dass die Leute auf Wikipedia schauen, um die Wahrheit zu finden. Aber die Wahrheit – oder was die Leute als wahr akzeptieren – kann so falsch sein. Und genau das ist passiert. Weißt du, die Leute haben sich meine Texte auf ihre Körper tätowieren lassen, und leider sind sie falsch.

Das ist die Kultur, in der wir leben. Also, wenn jemand meine neue Veröffentlichung ein Dancehall-Mixtape nennt, sind wir überrascht? Überhaupt nicht, denn die meisten Menschen kennen den Unterschied zwischen Dancehall und Reggae oder Afro-Carribean und Carribean nicht. Für sie ist es wirklich alles dasselbe, und Dancehall ist nur ein großartig klingendes Wort – und es zapft ein wenig von der Kultur an. Aber es als Mantel für alle Genres zu benutzen, ist falsch. Es mag naheliegen, aber es ist nicht richtig. Ich glaube, das, was die Leute stört, ist dieser Begriff, der viel herumgeworfen wird – denn Popmusik hat im Moment einen großen Einfluss auf den Reggae.

In diesem Sinne war ich neugierig auf deine Gedanken über den Mainstream, die amerikanische Aneignung der afro-karibischen Tanzkultur, und wo deine Platte in dieses spezielle Thema hineinpassen sollte.
Ich habe die Musik immer so sehr geliebt. Und als Kind liebte ich vor allem Musik, die Reggae, Karibik und afro-karibische Einflüsse hatte. Wie Blondie, The Clash, Toto, The Police. Es gab schon immer erstaunliche Musik, die ein wenig Reggae enthielt. Ich bin nicht böse darauf. Ich bin froh, dass es wieder einen größeren Einfluss gibt. Was immer scheiße ist und was zur Aneignung wird, ist, wenn die Leute, die die Musik nicht traditionell machen, die Möglichkeit bekommen, mehr Glanz und Erfolg zu haben und dafür Anerkennung zu bekommen. Mehr als die Menschen, die die Musik wirklich hervorgebracht haben.

Ich möchte, dass das Spielfeld ausgeglichener wird, weißt du? Wenn du dir die Award-Shows und solche Sachen ansiehst, wirst du sehen, dass sie immer noch nicht gleichberechtigt sind. Und da beginnt oder endet die Aneignung.

Nylon
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