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Niemals Fake, niemals Girlband: Dream Wife

Die britischen Girls von Dream Wife veröffentlichen heute ihr gleichnamiges Debütalbum. Wir haben Sie in Hamburg zum Interview getroffen und mal geklärt, ob überhaupt noch jemand Tumblr nutzt, warum sie den Spice Girls einen Brief geschrieben haben und wieso sie am liebsten auf Friedhöfen Party machen.

Header-Foto: Hollie Fernando

Man sollte den Girls von Dream Wife keine Frage stellen, wenn man eine klare Antwort erwartet. Die drei Girls aus Brighton haben so viel Energie, dass sie ihre Antworten blitzartig liefern. Und zwar alle drei. Und zwar gleichzeitig. Immer. Rakel Mjöll, Alice Go und Bella Podpadec lassen einander nicht ausreden, und das auf die netteste Art der Welt. Auch das zeigt, wie verschweißt die drei Mädels aus England und Island miteinander sind. Das Ergebnis dieser chaotischen Mischung ist Zeitgeist. Wir treffen in Hamburg eine Band, die mit ihrem feministischen Indie-Rock zwar auf wichtige Probleme aufmerksam macht, dabei aber nicht den moralischen Zeigefinger erhebt. Kritische Gespräche über Prostitution folgen Erinnerungen an wilde Partys in ziemlich ungewöhnlichen Locations. Dream Wife können revolutionieren und gleichzeitig Spaß haben. Nach mehreren EPs schaffen sie das besonders gut auf ihrem gleichnamigen Debütalbum. „Dream Wife“ bündelt 11 glänzende Tracks voller Snapshots der Jugend, Gesellschaftskritik und Rock-Party-Stimmung. Und warum diese drei Stimmungen die Mädels ziemlich gut beschreiben, beweisen sie selbst im Interview.

Wie war euer erster Eindruck der Reeperbahn?
Alice:
Ganz schön interessant. Es ist komisch, weil man nicht weiß, wie man die Rotlichtszene dort finden soll, besonders als Frau. Die „Geschmacklosigkeit“ der Clubs kann ich ja noch verstehen, aber im Endeffekt fühlt man sich dort schon sehr unwohl.
Rakel: Es ist gerade der touristische Aspekt an der Sache…Sex als Tourismus ist echt komisch.
Bella: Wenn diese Frauen das tun wollen und damit ihr Geld verdienen und auch bezahlt werden, dann ist das gut so. Wenn das nicht der Fall ist, wird es zum Problem. Historisch gesehen ist Prostitution ja auch einer der wenigen Jobs, die Frauen ausführen konnten. Sie dann dafür zu shamen geht einfach gar nicht. Wir wissen aber auch nicht so wirklich, was hier in Hamburg abgeht, wir haben ja nur die Sexshops und Bordelle von außen gesehen.

Davon abgesehen ist die Reeperbahn ja auch berühmt für ihre Partyszene. Auf was für Partys geht ihr in London?
Bella:
Ihr beiden geht ziemlich oft auf Friedhöfen feiern, oder?
Alice: Ja, genau, Friedhofpartys!

Was hat es damit auf sich?
Alice:
Na ja, man nimmt sich nen Lautsprecher mit und chillt dort…
Rakel: …mit ein paar Freunden…
Alice: Ich will jetzt aber nicht, dass sich das total respektlos gegenüber den Toten anhört!
Rakel: Es sind ziemlich alte Friedhöfe.
Alice: Wir haben mal in der Gegend um Nunhead gelebt und da gab es einen Friedhof, der eigentlich ein Wald war. Alles um die Gräber ist bewachsen – ein ziemlich cooler Spot. Die Gräber sind teilweise schon eingefallen und man vergisst total, dass man eigentlich in London ist.
Rakel: Ich finde es super dort, die Gräber sind von alten Poeten, Autoren und so weiter. Alle schon hunderte Jahre alt. Davon mal abgesehen, wenn’s ums Feiern geht, bin ich am liebsten auf Konzerten. Ich merke das manchmal gar nicht, aber irgendwie bin ich jeden Abend bei einer Show. Du gehst in einen Pub und auf einmal spielen deine Freunde ein Set im Hintergrund.

Gibt’s da unter euren Freunden jemanden, den wir als Newcomer kennen müssen? Vielleicht sogar schön die nächsten Dream Wife?
Rakel:
Eigentlich witzig, ich finde nämlich, dass uns niemand besonders ähnlich ist.
Alice: Vielleicht die Nova Twins.
Bella: Die sind echt gut.
Rakel: Wie beschreibt man die denn am besten?
Alice: Ich weiß nicht, vielleicht „Loud Rock“? Sie haben auch Hip Hop Elemente, mit geschrienen Rhymes.
Rakel: Und ich liebe die Sängerin GIRLI. Ich mag, wie sie ihr komplett pinkes Konzept aufbaut und sagt „Ich bin super girly, aber „I’m gonna fuck you up!“ Sie spielt mit Klischees.

Ihr habt ja auch mal die Spice Girls als Inspiration angegeben.
Rakel:
Wir haben ihnen sogar einen Brief geschrieben! Mel C mag unseren Song „Fuck You Up“. Darin zitieren wir ja die Spice-Girl-Nummer „Wannabe“. Und weil wir unseren Song natürlich mit aufs Album packen wollten, brauchten wir ihre Erlaubnis.
Alice: Sie hat uns auch ihren Segen gegeben, aber am Anfang war sie das einzige Spice Girl und wir brauchen echt die Erlaubnis von allen fünf.
Rakel: Und das für den kleinen Teil! Aber es war schon krass, überhaupt eine Antwort zu bekommen, und dann auch noch von Mel C. Wir dürfen eigentlich nicht sagen, dass sie unser Favorite ist, sie sind ja schließlich alle unterschiedlich. Aber psst, Mel ist die beste Sängerin. Die Spice Girls haben Mainstream-Pop total verändert und ihr eigenes Ding gemacht, statt einfach das Pendant zu Bands wie All Saints zu sein.

Und warum sind sie gerade heute immer noch so relevant?
Alice:
Weil sie Pop rebellisch gemacht haben!
Rakel: Sie haben Mädchen beigebracht, dass es verdammt cool ist, eines zu sein! Sie haben dir das Gefühl gegeben, du wärest eine Superheldin.

Hat Popmusik in der Hinsicht einen Rückschritt gemacht?
Alice:
Am Ende machen wir ja irgendwie auch Popmusik. Pop ist keine Schande, es ist ein ziemlich flexibles Mittel um deine Messages zu überbringen, aber klar, da gibt es ein Auf und Ab.
Bella: Wenn wir von Pop-Superstars reden, gibt es einen weniger starken Fokus auf Bands und Gruppen. Es geht eher um die einzelnen Charaktere und da gibt es auch im Mainstream-Pop definitiv ein paar Rebellen.
Alice: Das meinten wir ja auch damit, dass Grenzen gepusht werden, weil wir durch Social Media ja dafür ganz andere Möglichkeiten haben. Das technische Zeitalter bietet ganz andere Formen von Engagement.
Rakel: Ich find’s super, wie wir von einem „technischen Zeitalter“ reden und den Spice Girls trotzdem einen handgeschriebenen Brief geschickt haben.
Alice: Ja stimmt, das bedeutet heutzutage ja richtig was!

Ihr habt ja quasi als „fake Girlband“ im Studium angefangen, richtig?
Rakel:
Niemals fake. Und wir sind keine Girlband.
Alice: Es war niemals fake, alles gaaanz real!
Rakel: Das lief so: Wir wollten unbedingt nach Kanada reisen und haben eigentlich deshalb die Band als Projekt gegründet. Als wir zurück waren, haben wir uns gedacht: Okay, mit der Band ist dann jetzt Schluss. Ein paar Tage später hieß es aber: Was wir da letzten Sommer gemacht haben, war doch eigentlich cool! Man kann unsere Entstehung ganz gut mit der Testfahrt mit einem Auto vergleichen. Wir haben uns gedacht: Dieses Auto ist gar nicht so schlecht, vielleicht sollten wir es kaufen und ein paar neue Räder dranschrauben. Jetzt erscheint unser Debütalbum und es ist echt komisch, dass das alles nur entstanden ist, weil wir nach Kanada wollten.

Wenn euer Leben jetzt ein Tumblr-Blog wäre, unter welchem Link würde man ihn finden?
Rakel:
Benutzt noch jemand Tumblr?
Alice: Dann vielleicht dopeoplestillusetumblr.com?
Rakel: In Deutschland gibt’s doch bestimmt einige User.

Ich kenne nicht so viele.
Bella: Ich glaube einige haben einen Acoount bei tumblr, weil du dort anstößige Bilder auf deinem Blog haben kannst. Alle, die ich kenne, nutzen es auf eine „sexy“ Art und Weise. Viele schwule Männer zum Beispiel. Man sammelt sexy Bilder von anderen.
Rakel: Ganz schön smart, eigentlich!

Tumblr-Porn also.
Rakel:
Brilliant!
Alice: Tumblr-Porn, vielleicht ist das auch einfach unsere URL!

Von Pornos zu ganz anderen Vorlieben: Alice, wir haben über dich gelesen, dass du ne ziemlich große Sammlung an Cowboy-Stiefeln hast.
Alice:
Ich stand mal so sehr auf Cowboy-Stiefel, ja. Dann waren wir aber in Texas und ich dachte mir „Was versuche ich hier eigentlich?“ Ich glaube jetzt stehe ich mehr auf Doc Martens. Aber vielleicht machen Cowboy-Stiefel die Runde durch die Band. [zu den anderen Mädels] Eure Stiefel-Zeit wird kommen!
Rakel: Wir wollten uns eigentlich komplette Rodeo-Outfits holen. Aber dann war haben die Boots einfach 500 Dollar gekostet…
Alice: Und es war so verdammt heiß, ich darf gar nicht an die Hitze unter dem Leder denken.

Könntet ihr euch auch vorstellen, musikalisch mal in die Country-Richtung zu gehen?
Alice:
Rakel könnte das definitiv, sie wartet eigentlich nur auf ihren Country-Moment.
Rakel: Ich liebe es. Dolly Parton ist meine absolute Lieblingssängerin. Sie ist die beste Person der Welt, ich hab alle drei ihrer Biografien gelesen.
Alice: Hast du deine Bachelorarbeit nicht sogar über Dolly Parton geschrieben?
Rakel: Ja, genau.

Wie hieß die?
Rakel:
Keine Ahnung. Vielleicht „Dolly Parton Is My Idol“? Ich liebe sie so sehr. Mein Favorit unter den Biografien ist „My Life And Other Unfinished Business“. Vielleicht wäre das auch noch ne URL für einen Tumblr-Blog?

Dream Wife ist am 26.01. erschienen.

 

 

 

Robin Micha
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