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Von der Gangster Bitch zur Elegant Hoe: Island-Star ALVIA

ALVIA Islandia ist die wohl glitzerndste selbsternannte „Gangster Bitch“ Islands – oder gleich der ganzen Welt. Im Interview beim Secret Solstice Festival 2018 haben wir mit ihr über One Night Stands unter Verwandten und Freundschafts-Tribes gesprochen und außerdem entdeckt, warum auch in ihr ein bisschen „La Dolce Vita“ steckt.

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In dem Moment, als sich Alvia hinter der Bühne des isländischen Secret Solstice Festival auf eines der weißen Backstage-Sofas niederlässt, hat sie nichts mit der Romanfigur Pippi Langstrumpf gemeinsam – okay, bis auf die Zöpfe vielleicht. Wir wollen an dieser Stelle auch nicht sagen, dass die isländische Rapperin überhaupt eine geheime Schwester der Figur sein könnte, abstreiten lassen sich manche Parallelen aber trotzdem nicht. Beide leben sie in ihrer eigenen Welt, scharen nur wenige, enge Freunde um sich und leben allein, seit sie noch sehr jung waren. Alvia Islandia, wie ihr Künstlername mal früher lautete, macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt, ohne Kompromisse. Dank ihres ersten Albums „Bubblegum Bitch“ hat sie diese Einstellung über die Grenzen der kleinen Nordinsel hinaus schon in die Kreise internationaler Indie-Magazine gebracht. Kein Wunder also, dass Alvia als Karriere-Vorbild bescheiden Björk nennt. Wenn sie dieses Ziel erreicht, wird das ein bisschen so sein, wie die wilden Fantasien von Kollegin Langstrumpf. Der feine Unterschied: Alvias Träume werden gerade zu 100% mehr Realität.

Lass mich einmal kurz klarstellen: Bei Instagram heißt du „Alvia Islandia“, hier auf der Bühne aber wirst du nur als „Alvia“ angekündigt. Warum hast du das Land aus deinem Namen gestrichen?
Als ich geboren wurde, habe ich wie jede Person einen Namen zugeteilt bekommen, mit dem ich mich aber später nicht identifizieren konnte. Alvia Islandia ist mein Elfenname, denn weißt du, ich bin eine isländische Elfe. Er ist spirituell. Das Islandia stand darin für eine Phantasie, ein bisschen so wie „Atlantis“. Heutzutage klingt der Name aber ein bisschen kitschig, deshalb möchte ich einfach nur Alvia sein – so wird deshalb auch mein nächstes Album heißen. Kurz gefasst könnte man sagen: Mein Elfenname hat sich bis jetzt in der Musik verfangen.

Zur Musik: Du hast zuletzt den Song Tekið Mig Til“ mit Whyran aufgenommen, Der hört sich ja schon anders an, als deine Songs auf „Bubblegum Bitch“ oder „Elegant Hoe“.
„Tekið Mig Til“ war sein Projekt, bei dem ich geholfen habe, er war in meinem Studio und es hat sich ergeben. Die Musik geht mehr in Richtung House, das ist nicht so mein Ding. Ich hab nach meinem Style länger gesucht und glaube nun, dass ich ihn gefunden habe. Mein nächstes Album wird hoffentlich etwas sein, was ich mir länger als ein Jahr anhören kann.

Mit deinem ersten Album und deinen Mixtapes hast du einen bestimmten, pink-geprägten Aesthetic aufgebaut. Bist du auch im wahren Leben eine „Bubblegum Bitch“?
Absolut, wenn ihr zu mir nach Hause oder in mein Studio kämt…

Ich stelle mir da gerade viele Collagen mit Inspiration vor, viel Pink.
Haha, ja, Pink ist das Hauptthema! Glitter, Bubbles, aber auch Giftgrün und Blau.

Du wohnst ja jetzt in Kopenhagen, richtig?
Nein, ich bin wieder zurückgezogen.

Warum das?
Ich langweile mich total schnell. Wenn ich eine längere Zeit an einem Ort bin, wache ich irgendwann morgens auf und denke mir: „Ich hab genug“. Dann haue ich wieder ab. Ich bin aus Island für ein Jahr weggezogen, kam zurück, ging für ein Jahr weg, und so weiter. Jetzt bin ich seit anderthalb Jahren wieder hier. Wenn wir uns das nächste Mal sehen, wohne ich vielleicht wieder woanders.

Hast du Heimweh?
Man hat diese Momente, ja. Aber dann ist es kein richtiges Heimweh – ich will manchmal einfach mit jemandem in meiner eigenen Sprache sprechen und verstanden werden. Oft kann man Dinge in einer fremden Sprache nicht so klar aussprechen, wie man sie eigentlich meint. Ich bin aber nicht weggezogen, um neue Freunde zu finden, sondern um bei mir selbst zu sein. Nur deshalb habe ich es geschafft, ein Album zu machen: Ich habe meinen Shit durchgezogen, Leute getroffen, die ich nicht kannte und bin an Orte gegangen, an die ich zuhause niemals gekommen wäre. Hier kann man nicht mal in den Supermarkt gehen und eine Cola kaufen, ohne dass die Menschen drüber reden.

Ich bin nicht weggezogen, um Freunde zu finden, sondern um bei mir selbst zu sein. Ich habe neue Leute getroffen und bin an Orte gekommen, die ich zuhause nie kennengelernt hätte. Hier kann man nicht mal in den Supermarkt gehen und eine Cola kaufen, ohne dass jemand darüber redet.

Also stimmt das Klischee, dass auf Island wirklich jeder jeden kennt?
Ja! Wir sind auch alle miteinander verwandt. Okay, fast. Es gibt sieben bis acht verschiedene Stränge von Generationen. Und da ist dieses Buch, in dem du mit deiner staatlich zugeteilten ID-Nummer suchen kannst, über welchen Grad du mit wem verwandt bist. Manche Leute hatten schon One Night Stands und haben später herausgefunden, dass sie eigentlich Cousins sind oder so! Ich glaub zwar nicht, dass das häufig passiert, aber ich bin froh, dass jeder, mit dem ich was hatte, sieben oder acht Grade entfernt war.

Man sagt, man lernt die Leute am besten durch die engsten Freunde kennen. Wie sind deine Homies so drauf?
Ich liebe Menschen die einen eigenen, „weirden“ Charakter haben. Sie haben alle ihre Probleme und Ziele. Aus ihnen will ich einen verdammten Tribe gründen. Mit Menschen, die Sachen durchgemacht haben. Ich hasse Smalltalk, ich will tiefer gehen. Deswegen habe ich auch nicht viele wirklich enge Freunde. Da gibt’s zwei Girls, aber viele andere Menschen kennen mich eigentlich nicht wirklich. Sie sagen, was sie wollen, aber das ist mir egal.

alvia islandia interview island secret solstice festival
Bild: Neon Photography/Tobias Stoffels

Du trittst sehr selbstbewusst auf und bezeichnest dich auch gerne als „Gangster Bitch“. Was macht dich nervös und unsicher?
Bei dem Motto „Gangster Bitch“ geht es nicht darum, eine Mauer aufzubauen und mich abzuschirmen. Es bezieht sich allein darauf, was ich durchgemacht habe: In der Schule hängen geblieben, in bestimmte Schulen nicht reingekommen und ich lebe allein, seit ich 15 bin. Ich bin schon lange ein Loner. Wenn ich als Kind meine Eltern damit genervt habe, dass sie mit mir spielen sollen, hat meine Mutter zu mir gesagt: „Hey, wenn du keinen Spaß mit dir selbst haben kannst, wie soll das anderen Menschen möglich sein?“ Das ist echt hängen geblieben. Deswegen unternehme ich aber oft auch viel zu viel. Meine Freunde sagen mir dann: „Sitz mal still“. Es ist gut, Leute um dich zu haben, die wissen, was du willst, dich aber trotzdem am Boden halten – denn ich bin wie Luft.

Last one: Du hast schon an so vielen Orten gelebt – welcher Ort auf der Welt könnte am besten zu deiner Welt passen?
In der Zukunft möchte ich mal ein Apartment in Mailand haben, ich liebe die Stadt. Ich liebe es, irgendwo zu sitzen und einfach eine kleine Tasse Espresso zu trinken und dabei nur ein einziges Stück Schokolade zu essen, anstatt high in den Supermarkt zu gehen alles einzusacken. Mailand wäre mein Fluchtort, um einfach ich zu sein und fancy zu leben. Ich würde am Corso Como wohnen. Meine Base will ich aber immer in Island haben, der Vibe hier ist echt deprimierend. Und manchmal muss ich einfach depressiv sein, um etwas zu fühlen.

 

 

Robin Micha
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