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Was bringen euch Promi-Apps?

Diese Woche hat Taylor Swift eine Lifestyle-App angekündigt – und ihre Marke noch einmal erweitert. Weil sie damit nicht die erste ist, haben wir uns gefragt: Was tun mit diesen Promi-Apps?

Wenn man schon Alben veröffentlicht, Kleidung designt, Bücher geschrieben, in Filmen mitgespielt und gerne auch ein Restaurant eröffnet hat, was ist dann der nächste logische Schritt im Leben der Lieblings-Stars? Klar: All in One, der ganze Kosmos, gebündelt, irgendwie. Und wo ginge das besser als in einer App? Ist schnell installiert, unterhält und gibt dem Star Informationen über das Verhalten der Fans. Im Kopf des Promis könnte das so aussehen: Wenn ihr mich schon über Instagram & Co. minütlich absuchtet, warum euch nicht noch mehr davon geben?

So sieht nicht nur ein intelligenter Geschäftsplan aus, sondern scheinbar auch der kreative Geist einer Taylor Swift. Die hat diese Woche in einem kurzen YouTube-Video “The Swift Life” angekündigt – ihre erste, eigene Lifestyle-App (natürlich mit Trademark). Ihr Team beschreibt es als einen “kreativen, integrativen und Community-orientierten Ort, der Nutzern dabei hilft, mit Taylor und untereinander zu connecten…”. Aha. Und was haben wir dann davon? Eine Art eigene Social Media-Welt, nur für Swifties. Nachdem Taylor zur letzten Album-Promo ihre Social Media-Kanäle leer gefegt hatte, gibt’s in “The Swift Life” ständig exklusive Pics und Videos der Sängerin. Natürlich könnt ihr auch selbst posten, liken, teilen – und Taylor schaut euch über die Schulter. Wer Glück hat, bekommt dann mal einen “Taylor Like”. Reicht noch nicht? “Taymojis” und Sticker helfen euch dabei, eure Mood ebenfalls korrekt auszudrücken. Und, ach ja, fast vergessen, Musik hören kann man auch noch.

“The Swift Life” ist ein intelligenter Marketingschachzug, aber nicht die erste Anwendung in der Welt der Celebrity-Apps. Da wäre zum einen das virtuelle Königreich des Kardashian-Clans. Kim Kardashians “Hollywood”-Spiel mag schon wieder aus den Köpfen verschwunden sein, war aber ein voller Erfolg: 40 Prozent ihres Einkommens soll sie allein mit der App gemacht haben. Darin sind “KIMOJI” und die “Kim Kardashian West Official App” noch nicht eingeschlossen. Oder die Apps von Kims Schwestern Kendall und Kylie. Oder überhaupt die einzelnen Apps der anderen Kardashian-Schwestern. Während uns Spiele wie “Hollywood” oder “Kendall and Kylie” noch maximal beim Warten auf die Bahn beschäftigen, haben andere Apps der Familie (vorerst) hilfreiche Schmink- und Styling-Tipps parat.

Man muss also unterscheiden, zwischen virtuellem Networking à la Swift oder Serviceleistung im Sinne der Kardashians. Es gibt aber noch eine dritte Art: Die App als offensichtliches Marketing-Tool. So gesehen in Lady Gagas multimedialer Hoch-Phase zu ihrem Album “Artpop”. In der gleichnamigen App konnten Fans eine Art “Aura” kreieren, einen Avatar mit Funktionen, an die sich keiner mehr so richtig erinnern kann. Personalisiert sollte es sein, authentisch. Nützlich war es nicht. Scheinen auch die Macher entdeckt zu haben, mittlerweile ist die Anwendung aus dem App Store verschwunden. Björks “Biophilia” hatte da zwei Jahre vorher schon ein bisschen mehr zu bieten: Ein “galaktisches” Interface zum Song “Cosmogony”, Songtexte, Animationen, Essays und, als Highlight, Musiknoten mit Karaoke-Funktion. Die Frage, wie karaoke-tauglich so ein Björk-Song ist, lassen wir jetzt mal offen.

Am Ende fallen die Celebrity-Apps jedoch trotz aller Funktionen in die Kategorie “weniger nützlich”. Für die wahren Fans eines jeden Künstlers sind sie ein praktisches Tool, um noch mehr in die vermeintliche Welt ihrer Vorbilder einzutauchen. Für alle anderen fressen sie bloß Speicherplatz. Die wirklich wichtigen Infos können wir auch über Social Media verfolgen. Oder über die Apps ziehen, die wir schon haben. Ein Styling-Tipp ist schnell gegoogelt, ein Lyric ebenso. Das nächste Handyspiel kommt bestimmt. Ob es dann Kim K, ein Pokémon oder Taylor Swift ist, ist eigentlich egal, Hauptsache Suchtpotential. Und worauf hofft Taylor? Natürlich, dass eure Sucht besonders lang anhält. Download gestartet.

 

 

Robin Micha
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